Issever Bahri Fall/Winter 2013

Dass die deutschen Designer in Paris langsam aber sicher Fuss fassen, zeigt das erstmalige Zustandekommen des Berliner Showrooms. Mehr als 20 Designer aus der Hauptstadt zeigen hier ihre Kollektionen und präsentieren sich somit geballt dem internationalen Markt. Natürlich mit dabei: die zwei wunderbaren Designerinnen von Issever Bahri. Bereits in Berlin traf ich das Duo zum Interview, um mehr über die neue Kollektion zu erfahren und einen Einblick in ihr Kreuzberger Studio zu kriegen.

The Random Noise: Was ist die Idee hinter der Herbt/Winter 2013 Kollektion?

Cimen Bahri & Derya Issever: Für diese Saison haben wir uns vom Art Deco in Istanbul inspirieren lassen. Es ist mittlerweile fast in Vergessenheit geraten ist, dass es in der Türkei diese Elemente gab, da viele Gebäude schon wieder abgerissen wurden. Das besondere ist, dass  sich Art Deco dort sehr organisch, gradlinig und graphisch zeigt, in Rundbögen  am Eingang zum Beispiel. Diese Formen haben wir in unserer Schnittführung in Form von kurvigen Linien übertragen, was wir davor eigentlich nicht hatten. Die Silhouetten sind immer noch sehr gerade, nur einzelne Elemente zitieren die neuen Linien.

Wie entstand die Farbpalette?

In der neuen Kollektion haben wir sehr typisch mit Schwarz und Weiß gearbeitet. Und wir haben uns eigentlich immer jede Saison ein eigenes Farbkonzept überlegt. In der jetzigen Kollektion sind dies Flieder, Dunkellila und Rosé – Töne, mit denen wir davor noch gar nicht gearbeitete haben und die irgendwie sehr lieblich sind. Gebrochen werden diese von einem dunklen Mof.

Wie setzt ihr diesmal eure typische Häkeltechnik ein?

Neu ist, dass wir diesmal Satinband benutzt haben, das gehäkelt wird und sich fast wie ein Schmuckelement an der Kleidung zeigt. Als Kragen, als Manschette wie ein Armband oder als integrierte Applikation, die die organische Schnittführung formt. Und da das Material super weich ist, trägt sich das sehr schön.

Was ist an der Kollektion weiterhin typisch Issever Bahri?

Die komplette Kollektion ist eigentlich ziemlich Issever Bahri. Wir arbeiten immer mehr aus, dass jedes Kleidungsstück ein typisches Element von uns enthält, das sofort erkennbar ist. Wie im letzten Sommer, wo jedes Stück eine gehäkelte Linie hatte. Jetzt führen wir es weiter, viel klarer und dank des Satinbands mit einem neuen Twist. Wir haben die Technik jetzt auch großflächiger eingesetzt, zum Beispiel als 4cm breites Element. Letztes Jahr im Winter hatten wir auch Strick und Häkel, diese Saison konzentrieren wir uns nur auf die eine Technik. Die Garne aus Alpaka zum Beispiel werden so fluffig gehäkelt, dass es fast wie gestrickt aussieht.

Wie hat sich in den letzten drei Jahren eure Arbeit als Designduo entwickelt?

Als Tream sind wir eigentlich noch gleich, doch Saison für Saison bessert man sich schon. Eine ganze Woche vor der Show hatten wir bereits alle Schnittmuster fertig, unser Zeitmanagement wird also immer besser. Unsere Mitstudenten früher haben es teilweise geschafft eine ganze Woche früher fertig zu sein – dass haben wir beide noch nicht geschafft. Aber auch unsere Aufgaben sind gleich belieben. In der Phase vor der Show betreut Cimen die Schneider und kümmert sich um die Schnitte. Ich mach alles andere wie Casting, Styling oder das Lookbook-Shooting. Und das Design kommt gleichermaßen von uns beiden.

Seit ihr euch bei der Inspiration für das Design immer einig?

In Instanbul waren wir zum Beispiel zusammen bei der Vogue Fashion’s Night Out. Letztes Jahr im Januar hatten wir bereits schon mal die Architektur als Inspiration, aber eine andere Form. Wir hatten dann überlegt, ob wir es wieder mit aufnehmen und waren uns sofort sehr einig. Wir beginnen meistens mit den Farben. Einer hat eine Idee, der andere findet es dann super und ergänzt etwas Neues – und so entwickelt sich das sehr dynamisch.

Nach nun drei Jahren mit einigen Preisen und viel Lob aus der Presse  – wie seht ihr das Verhältnis zwischen Presse und Markt?

Die Lücke ist wirklich riesig. Wir sind ja auch mit vielen anderen Designern im Kontakt und es geht den meisten auch so. Auch wenn die Presse das Potenzial von kleineren Designer erkennt, traut sich besonders in Deutschland der Einkauf noch sehr wenig neue Deigner zu kaufen. Und das prägt ja wiederum den Markt. Seit 2012 erst hängen ein paar Jungdesigner im Quartier 206, das ist vielleicht ein guter Anfang. Ich vergleiche es gerne mit England, da gibt es Läden, für die ist es Prestige ist einen neuen Jungdesigner zu führen und es auch mal die ganze Abschlusskollektion gekauft. Und der Endverbraucher traut sich das dann auch. Ich denke das dauert noch, bis das auf dem gleichen Level ist.

Seht ihr euch mit eurer Herkunft und Inspirationen auch in Istanbul?

Klar, wir würden gerne auch nach Istanbul, vielleicht zur Fashion Week, mal sehen ob sich das ergibt. Mode hat auch in der Türkei einen höheren Stellenwert wie in Italien. Aber erstmal ist unser Ziel in Deutschland zu wachsen und mit dem Berlin Showroom in Paris auch international.

Issever Bahri Fall/Winter 2013

Issever Bahri Fall/Winter 2013

Issever Bahri Fall/Winter 2013

Issever Bahri Fall/Winter 2013

Issever Bahri Fall/Winter 2013

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Die Looks von der Show:

Issever Bahri Fall/Winter 2013

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Issever Bahri Fall/Winter 2013

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