Francois-Henri Pinault (CEO von Kering) im Panel mit Valerie Keller

Letzte Woche fand in Copenhagen der weltweit größte Fashion-Gipfel zum Thema Nachhaltigkeit statt. Bereits im letzten Jahr hatten wir Euch von der Copenhagen Fashion Summit berichtet. Die Summit hat in diesem Jahr an Relevanz dazu gewonnen – nicht nur durch höhere Popularität und Media-Coverage, sondern, leider, auch durch erhöhte Handlungsdringlichkeit. Hier in Kürze alles Wissenswertes über die Inhalte der Summit.

Was ist die Copenhagen Fashion Summit?

Eine Konferenz in Copenhagen, die dem Austausch, dem Netzwerk und der Festlegung von Zielen zum Umweltschutz und ethischen Standards bei der Herstellung, dem Verkauf sowie Konsum von Mode und Accessoires dient. Die Summit fand dieses Jahr zum zehnten Mal statt. Sie wurde durch die non for profit Organisation Global Fashion Agenda ins Leben gerufen. Hier geht es zur offiziellen Website.

Wer nimmt an der Konferenz teil? 

Auf der Konferenz gibt es Panel-Diskussionen, und zwar liest sich die Speaker-Liste wie das Who is Who oder das BOF500. Neben Francois-Henri Pinault (CEO Kering), Emanuel Chirico –  CEO von PVH (u.a.der Tommy Hilfiger & Calvin Klein), Modekritiker Tim Blanks, Vanessa Friedman von der New York Times, Katharine Hemnett, H&Ms COO Helena Helmersson und Everlane- Mitgründer MichaelPreysman. In diesem Jahr gab es zudem noch wichtige Speaker aus der Politik, zum Beispiel Paul Polman, Vorsitzender der International Chamber of Commerce Dies zeigte, dass die Modebranche zumindest in der westlichen Welt verstärkt ins politisches Visier gerät.

Was sind die wichtigsten Fakten zum Thema Mode & Umweltschutz sowie Menschenrechte – aus Sicht der Brands und Hersteller?

Im Rahmen der Fashion Summit wird der sogenannte „Pulse Score“ gemessen – mit einer Punktzahl zwischen 0 und 100 wird der Branche  eine Art Punktzahl vergeben, die aussagen soll, wie stark sich Unternehmen darum bemühen, Nachhaltig zu sein. 2018 war der score 38 von 100, in diesem Jahr 42 von 100. Die nachhaltigsten Unternehmen erreichen eine Punktzahl zwischen 60 und 85 Punkten. Nicht nur die niedrige Punktzahl ist alarmierend, sondern auch die Details dahinter. Der Score bezieht einzig und allein die Bemühungen von Unternehmen ein, nicht das gesamte Geschäftsmodell. Das heisst: H&M beispielsweise hat eine relativ gute Punktzahl, obwohl es durchaus streitbar ist, dass das Geschäftsmodell Fast Fashion an sich nachhaltig ist. Die Hälfte der Modebranche hat, laut Summit-Gründerin Eva Kruse, noch gar keine Bemühungen in Richtung Nachhaltigkeit unternommen. Dabei ist der Weg geebnet. besonders mittelgroße Unternehmen haben davon profitiert, dass größere Firmen gewisse Standards etabliert haben, in dessen Fußstapfen die Kleineren steigen können. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass die Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit und Einhaltung der Menschenrechte nicht groß und schnell genug passieren. In Sachen Umwelt beispielsweise riskiert die Branche gerade die Einhaltung der Pariser Klimaziele. So wichtig für die gesamt-Volkswirtschaft ist die Modebranche, von der gesagt wird, dass sie nach der Ölindustrie die Industrie ist, die die Umwelt am meisten Verschmutzt. Durch hohen Wasserverbrauch, durch Wasserverschmutzung, durch CO2-Ausstöße in der Produktion. Von den Arbeitsbedingungen in Fabriken und den damit verbundenen Auswirkungen auf Schicksale von tausenden von Familien ist dabei noch gar nicht die Rede. Diese Dringlichkeit hat auch Präsident Macron erkannt. Er bat daher den Vorstand von Kering, eine Initiative zu gründen und gemeinsam mit anderen Firmen Umwelt-Standards auszuarbeiten. PVH hat sich der Initiative bereits angeschlossen. Die Ziele sollen zum G7-Gipfel in diesem Jahr ausgearbeitet und vorgestellt werden Somit landet Fashion auf der Agenda der Politik. Zumindest in der westlichen Welt.

Welche Fakten gibt es zum Thema Mode-Konsum?

Nun ja, las Konsument hinken wir etwas hinterher. 75% der befragten Konsumenten einer Studie, die Beratung BCG im rahmen der Summit in Auftrag gab, sagten aus, dass ihnen Nachhaltigkeit bei Mode wichtig sei. Doch nur 16% bezogen dies auch aktiv in jegliche Kaufentscheidungen ein. Kommt Euch irgendwie bekannt vor? Eva Kruse, die Gründerin des Summits, hat hierzu ihre Meinung klar genannt: „It’s on us as an industry to drive change – we cannot expect the consumer to drive this forward.“

Wie trägt die Summit zu Verbesserungen konkret bei?

Im Wesentlichen durch Networking. Als Brand kann man sich die neuesten Lösungen zu neuen Materialien ansehen – biologisch abbaubare Fasern, veganes Leder, neue Mannequins, Ocean Plastik material und und und. Auch auf dem Level des Managements findet Austausch statt – so ist es mit Sicherheit kein Zufall, dass PVH sich Kering’s Initiative am Tag nach einem privaten, von Kering organisierten Dinner anhing. Das Plus der Summit liegt darin, dass hier alle zusammen kommen können – Politiker, Zulieferer, brands, NGOs, Journalisten, Banker, VCs, Gründer, und und und….

Und was halten wir hiervon?

Unser ganz persönliches Kommentar findet ihr hier diese Woche noch!

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Fotocredits: Copenhagen Fashion Summit