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Stella McCartney im Interview mit Journalist Graydon Carter

In dieser Woche fand in Kopenhagen der 6. Copenhagen Fashion Summit statt – und wir waren für Euch mit dabei, als von der Luxusgruppe Kering bis hin zu H&M viele Brands, Retailer, Models und NGOs von Europa bis China an einem Tisch saßen, um den Beitrag der Modeindustrie zu einer für Menschen und Planeten nachhaltigen Weltwirtschaft zu diskutieren.

Der Fokus der von der Global Fashion Agenda organisierten internationalen Konferenz lag auf der Findung konkret umsetzbarer Lösungen. Tim Blanks und Amber Valetta moderierten die zwei Konferenztage in Kopenhagen und begrüßten auch Stargäste wie Stella McCartney, die über ihr eigenes Label und ihren Werdegang sprach, Model Lilly Cole oder Casting Director James Scully, der 2017 für Aufsehen sorgte, da er durch einen Artikel in The Business of Fashion die Entstehung der Model Charter von LVMH und Kering mit verantwortete.

Warum ein Engagement im Bereich Nachhaltigkeit und Ethik so wichtig ist?

Wir wissen, dass sie Art und Weise, wie die Fashion Branche wuchs, zu Lasten der Umwelt und der Arbeitsbedingungen von tausenden von Menschen ging und noch immer geht. Marken und Retailer haben sich in etwa so verhalten, als würde das keiner mitbekommen, und wir Kunden haben mitgemacht. Dazu kommt, dass wir in einem immensen Überfluss leben: wir westlichen Menschen tragen im Durchschnitt nur 10% der Kleidung die wir besitzen. Nur 1% der weltweit produzierten Kleidungsstücke werden derzeit recycelt oder anderweitig wiederverwertet. Eines der Ziele der Marken und Händler ist es daher, ein sogenanntes „Closed Loop Fashion System“ zu entwickeln – ein Zyklus, in dem Kleidung nach dem Gebrauch wiederverwertet oder weitergegeben wird.

Der Grundpfeiler der Copenhagen Fashion Summit war die von der Boston Consulting Group erstelle Studie „Pulse of the Fashion Industry 2018″. Die Studie beruht auf einem global anerkannten Öko-Rating, dem sogenannten „Higg Index“ und komplettiert diesen mit weiteren Fachinterviews. Dabei werden an Unternehmen Punktzahlen vergeben – je nachdem wie gut oder schlecht die untersuchten Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette (zum Beispiel faire Arbeitsbedingungen, Ökobilanz) abschließen. Dabei werden Brands, Retailer und Vertikale von jeder Größe und jedem Preissegment berücksichtigt – quasi von H&M bis zu Bottega Veneta. Auf dieser Basis schlägt die Studie sechs Hauptmaßnahmen vor, die alle in Panel-Gesprächen diskutiert wurden.

Chip Bergh, CEO von Levi’s, gabt in dem neuesten Podcast von The Business of Fashion an: „Levi’s ist und war schon immer sehr an Ethik und Integrität gelegen“. Im Rahmen der Fashion Summit sprach Levi’s VP and Head Of Global Product Innovation and Premium Collection, Paul Dillinger. Er forderte eine stärkere Zusammenarbeit von Marken untereinander und auch die Kooperation innerhalb des Unternehmens vom Design bis hin zum Verkauf. Er zeigte sich zudem auch durchaus kritisch dem gegenwärtigen System gegenüber indem er den stetigen Wachstum der Branche hinterfragte: „In a moment where I know Capetown is running out of water – what reason do I have to produce six more jeans that I know are going to end not being worn or thrown away within the first year of production?“.

„Ist es uncool, über Nachhaltigkeit zu sprechen?“ fragt Highsnobiety Gründer David Fischer auf dem Panel unter anderem Jacob Kampp Berliner vom Label Soulland. Independent Labels wie Soulland produzieren in Europa, und somit „denken die Kunden eigentlich automatisch, wir produzieren ethisch und nachhaltig, was in großen Teilen auch der Fall ist.“ Aber auch konventionelle Färbungsmethoden verbrauchen viel Wasser und Energie. Dafür liefern Firmen wie beispielsweise ColorZen innovative Lösungen, die im Rahmen der Fashion Summit auch eine Auszeichnung für den besten Pitch erhielten.

Andere Firmen haben mehr Arbeit hinter sich, wie zum Beispiel Nike. Nike geriet vor einigen Jahren unter massive Kritik was die Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken und die Verwendung von schädlichem Plastik in der Herstellung der Airmax anging. So wurde Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Pfeiler in der Unternehmensstrategie. Sie entwickelten den Nike Material Sustainability Index, der die Umweltfreundlichkeit aller eingesetzten Materialen eines Schuhes misst und mittlerweile auch anderen Branchenmitgliedern zur Verfügung steht. Des Weiteren ist es das Ziel von Nike bis 2025 alle Produktionsstandorte, die Nike selbst gehören, zu 100% durch erneuerbare Energie bestimmen zu lassen.

Auch H&M hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2030 soll jede Faser, die in allen Kleidungsstücken genutzt wird, nachhaltig sein, sich recyceln lassen. Bereits heute kann man in einigen H&M-Filialen Produkte zurück bringen, die man nicht mehr trägt. Kunden scheinen zudem die Conscious Collections von H&M zu schätzen, denn die neueste Capsule ist bereits so gut wie ausverkauft. Und die Kronprinzessin von Dänemark, die beim dem Summit ein sehr starkes Plädoyer für Transparenz und partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Industrie hielt, trug selbst die H&M Conscious Collection an den Konferenztagen.

Die größte Macht haben ohne Frage die Unternehmen – egal in welchem Segment oder in welcher Größe – um die Nachhaltigkeit global voranzutreiben. Um schöne Kleidungsstücke herzustellen, die unsere Erde nicht belasten. Als Selbstverständlichkeit, denn wieso wurde dies überhaupt nicht von Beginn an getan? Nur so wird sich Müll reduzieren lassen, Treibhausgase und schlechte Arbeitsbedingungen. Dabei muss auch in Kauf genommen werden, dass Kunden gegebenenfalls weniger einkaufen und ihre Kleidung nach dem Tragen weiterverkaufen auf Plattformen wie The RealReal (USA) oder Vestiaire Collective. Wir hatten Euch an dieser Stelle einige wegweisende Modelle vorgestellt. Dieser Prozess beginnt mit dem Design, spinnt sich weiter in der Herstellung, im Transport, in der Kommunikation und im Verkauf.

Doch auch wir als Konsumenten haben einen Einfluss. Indem wir nicht nur nach dem Preis gehen, sondern bewusst auch kritisch sind. Brauche ich 50 T-Shirts oder lieber nur 2-3 in guter Qualität, die lange halten? Wie wurde das Kleidungsstück hergestellt, das ich da gerade einkaufe? Und muss ich mir wirklich fünf Pakete im Onlineshopping zustellen lassen, obwohl ich wahrscheinlich doch nichts behalte? Die Kronprinzessin von Dänemark vertrat in ihrer Keynote Speech die einfache These: „Setzt Euch ein Ziel, und findet auf dem Weg heraus, wie ihr es erreicht.“

Erfolg definiert sich meist dadurch, dass man nicht darüber sprechen muss. Wenn diese Debatte Alltag geworden ist. So sehen wir das.

Wie steht ihr zum Thema Nachhaltigkeit und Ethik, wenn ihr Kleidung kauft? Interessieren Euch die Herkunft, die Herstellungsbedingungen und das Material eurer Jeans, euerem Kleid oder eurer Schuhe? Wärt ihr bereit, eventuelle Mehrkosten für einen grüneren Planeten zu tragen?


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Kronprinzessin Mary Elizabeth von Dänemark

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Nike COO Eric Sprunt

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Model Amber Valetta beim Celebrations-Dinner

Bilder © Courtesy of Copenhagen Fashion Summit / Global Fashion Agenda