Auf der 2019 Copenhagen Fashion Summit wurde vor allem eines klar: Die Bemühungen zur klimaschonenden Produktion und Distribution von Mode gehen nicht annähernd schnell genug voran. Es lässt sich eigentlich ganz leicht auf ein Wort reduzieren: VERANTWORTUNG.

Weder die Branche, noch der Konsument übernehmen derzeit genügend Verantwortung wenn es darum geht, was wir tragen. Unser Kommentar.

Wenn ein Markt frei handeln kann und wenig reguliert ist, dann passiert genau das, was in den letzten 50 Jahren passiert ist: die Herstellung von Kleidungsstücken, in einer Art und Weise in der Profit für wachstumsankurbelndes Marketing oder Store-Eröffnungen ausgegeben werden, anstatt darin zu investieren, dass verantwortungsbewusst gegenüber Umwelt und Menschenrechten produziert wird. Und zwar leider über alle Preissegmente hinweg. Warum wird dies ausgerechnet jetzt zum Thema? Naja, weil wir erst jetzt den vollen Umfang der Katastrophe sehen – keine Erreichung der Pariser Klimazielen, wenn es so weitergeht.

Zu Recht fordern immer mehr Akteure: Übernehmt Verantwortung, und ermöglicht es den Konsumenten endlich, ohne Umwege, nachhaltig einzukaufen! In der Umsetzung gibt es einige Ansätze, die auch auf der Fashion Summit diskutiert wurden.

Information und Transparenz

Ich lebe in einer Großstadt, bin halbwegs gut informiert und habe theoretisch die Möglichkeit, auch wenn ich es nicht immer umsetze, nachhaltige Mode einzukaufen. Doch es ist immer noch verdammt schwer. Auf dem Label finde ich gegebenenfalls die Materialzusammensetzung eines Stoffes, muss dann googlen, ob das Ganze überhaupt recyclebar ist. Und siehe da – noch nicht mal die vegan fair hergestellte Yogaleggings kommt ohne Polyamid aus. Und Polyamid landet genau auf dem Berg von Abfall, den wir ohnehin bereits haben. Unter anderem aufgrund der Tatsache, dass wir, die lieben Konsumenten, jedes fünfte Kleidungsstück gar ungetragen wegwerfen.

Das heißt, selbst wenn ich bereit bin, theoretisch, mehr Geld und Recherche auszugeben für Kleidung, bei der ich ein besseres Gewissen haben kann, so gibt es auch keinen einfachen Standards, kein rot/gelb/grün, keine Information die mich wissen lässt, ob mein Kauf in ein paar Jahren zum Müllberg beiträgt, wie viel Wasser verbraucht wurde bei der Herstellung, und ob die Näherin älter war als 15 Jahre und über dem Mindestlohn vergütet wurde.

Daher müssen Standards her, Regulierungen. Anders funktioniert dies ja auch bei den Lebensmitteln nicht. Zu Beispiel, dass Marken neben den „Inhaltsstoffen“ auch angeben, wie sehr die Umwelt belastet wurde und ob das Kleidungsstück wiederverwertbar ist. Diese Standards müssen natürlich weltweit gelten. Es bringt wenig, wenn ein Label aus Spanien reguliert wird, aber im Gegenzug können wir auf Instagram immernoch über einen simplen Klick ein dubios hergestelltes Kleid beim No-Name Anbieter erswipen. Einzelne Brands oder Retailer stellen zwar ihre eigenen Charter und Standards auf, aber es gilt kein Minimum-Standard und schon gar nicht ein global geltender. Regierungen haben die Verantwortung, gesellschaftliche Standards zu setzen. Weltweit.

Kosten und Konsumverhalten

Nachhaltige Mode sollte ein Standard sein, und nicht die teurere Version eines anderseits identisch verfügbaren Produktes. Falls es dann gegebenenfalls einen Euro mehr kostet – vielleicht wäre dies dann auch ein Anreiz, dass wir weniger kaufen, weniger impulsiv. Und die Firmen haben hier auch viel mitzugestalten. Auf Trends schnell zu reagieren ist die eine Sache – eine agile Lieferungskette dient auch dazu, Müllberge zu vermeiden. Eine andere Sache ist es, sinnlos zweiwöchentliche Kollektionen in die Läden zu pushen und uns dann zu sagen, wir hätten ein besseres Leben, wenn wir diese Haufen an Klamotten ansammeln, nur um sie dann mit Verlust auf Kleiderkreisel oder auf dem Flohmarkt (wenn wir Glück haben) weiterzuverkaufen.

In Kürze – wenn uns, den Konsumenten, die Möglichkeit nicht gegeben wird, nachhaltig zu konsumieren, dann wird das nicht passieren. Oder, wie die Kronprinzessin von Dänemark in ihrer Opening Speech verkündete: „I would like sustainability to be the gift with purchase on any garment.“

Bild oben: Zara’s Sustainable collection – doch was bedeutet dies?