Pistol Boots: Acne für 400,-€ vs. H&M für 30,-€

Wenn man als Bundesministerin Zitate nicht richtig kennzeichnet (ob wissentlich oder unwissentlich sei dahingestellt), werden sofort Plagiatsvorwürfe laut, Konsequenzen werden gezogen und der Posten neu besetzt. Doch dass in der Mode kopiert wird, ist kein Geheimnis. Das unschöne Wort Plagiat wird hierbei allerdings nicht verwandt, Mode ist ja schließlich etwas schönes. Comeback, Revival oder künstlerische Inspiration sind hierbei die Schlüsselwörter, mit denen man den Konsumenten lockt und ihm manchmal schlecht als recht vorzugaukeln, dass das erworbene Stück neuartig und einzigartig ist, zu deutsch: es noch nie vorher da war.

Spätestens seit dem Film „Der Teufel trägt Prada“ wissen wir aber, dass dem nicht so ist und selbst Discount-Klamotten und Schuhe von den Modeschauen rund um den Globus beeinflusst aka kopiert werden. Ein paar Gedanken also, warum das meiner Meinung nach in Ordnung ist und wie akkurat die Kopien den Originalen ähneln.

Machen wir uns also nicht vor: Designerstücke sind für den Otto-Normal-Verbraucher unerschwinglich und stehen in keinem Verhältnis zum monatlichen Nettodurchschnittseinkommen. Dazu kommt noch, dass oft auch weder Produktionsstätten- und bedingungen sowie Material die immense Summe rechtfertigen. So verlegte beispielsweise die Edelmarke Buerberry jüngst ihre Polohemden-Fabrik von Großbritannien nach China. Ganz dem Motto: eine globale Marke erfordert eine globale Produktion.

Von diesem Standpunkt aus betrachtet finde ich es also vertretbar, Plagiat-Träger zu sein. Und auch wenn es einige immer noch nicht wissen, ein Teil davon sind wir eben doch. Denn wie formulierte Meryl Streep, die im oben genannten Film die angsteinflößende Chefredakteurin Miranda Priestly spielt, noch so schön?

“ Oh verstehe, Sie sind der Ansicht, dass das nichts mit Ihnen zu tun hat. Sie gehen einfach an Ihren Schrank und greifen sich diesen plumpen blauen Pullover zum Beispiel, weil Sie der Welt damit sagen wollen, dass Ihnen Ihre Kleidung nicht so wichtig ist wie Ihre Persönlichkeit. Aber was Sie nicht wissen, dass dieser Pullover nicht einfach blau ist, auch nicht Türkis oder Lapis. Er ist nämlich Azur. Und Sie haben nicht den blassesten Schimmer davon, dass Oscar de la Renta 2002 azurblaue Abendkleider entworfen hat und ich meine es ist Yves Saint Laurent gewesen, der azurblaue Militärjacken hatte. […] Und plötzlich tauchte Azur in den Kollektionen von acht verschiedenen Designern auf. Anschließend sickerte es dann zu den gewöhnlichen Kaufhäusern durch und fand dann sein tragisches Ende in der Freizeitabteilung aus deren Wühltisch Sie es dann irgendwann gefischt haben. Wie auch immer, dieses Blau steht für Millionen von Dollar und zahllose Jobs. Und es grenzt fast an Komik, dass Sie tatsächlich der Meinung sind sich der Modewelt zu entziehen.“

Wie hoch die Fülle an Kopien ist, die eins zu eins dem Original ähneln, fand ich vor allem im Schuh-Segment beachtlich. Hier also nur ein kleiner Auszug, wo ihr direkt entscheiden könnt, was euch besser gefällt – Original oder Fälschung?

Wedge-Sneaker: Isabel Marant für ca. 470,-€ vs. Zara für 70,-€

Schwarzes Leder zu Holz-Heels: Jeffrey Campbell für 180,-€ vs. Asos für 79,-€

Sommersandaletten: Acne für 1.000,-€ vs. Topshop für 65,-€

Klassischer Sneaker: Adidas für 90,-€ vs. Deichmann für 20,-€

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