Atelierbesuch bei Siddhartha Anselm Meyer

Das rote Backsteingebäude in der Ritterstraße beherbergt viele Studios für Kreative, nur einige Häuser weiter beben nachts die Bässe im Ritter Butzke oder Prince Charles. Es ist eine dieser ruhigen Berliner Straßen, die Häuserwände beherbergt, hinter denen sich die künstlerischen Welten der Hauptstadt auftun.

Dort treffe ich Siddhartha Anselm Meyer, Designer mit einem so ungewöhnlichen Namen, dass ich mir diesen auf Anhieb beim ersten Zusammentreffen am 4.Mai merken konnte. Er ist einer der fünf Finalisten des Designer for Tomorrow Awards 2012, dem internationalen Wettbewerb zur Förderung von Nachwuchsdesignern von Peek & Cloppenburg unter der Schirmherrschaft von Marc Jacobs. Es geht um eine Fashion Show auf der Berliner Modewoche, finanzielle Unterstützung für die eigene Kollektion und die Möglichkeit sich als Designer zu etablieren. Siddhartha behauptet sich im Wettbewerb als einziger Deutscher Kandidat – ein sehr guter Grund etwas mehr über ihn, seinen Weg und die Kollektion zu erfahren.

Atelierbesuch bei Siddhartha Anselm Meyer

Ursprünglich kommt er aus Niedersachsen und ist über weite Umwege nach Berlin gekommen: um Heilpraktiker zu werden. Fotografie und das Nähen spielte vorerst nur in seiner Schulzeit eine größere Rolle. Doch, und es hört sich wie ein Märchen an, obwohl Siddhartha sehr durchdacht und bodenständig ist, fand er eine Nähmaschine auf der Straße. Er fing an, sich eine Hose nach der anderen zu nähen, auf dem Boden seines Apartments, bis der Schnitt endlich der Richtig war. „Dadurch habe ich gemerkt, dass die Stoffe und die Schnitte meine Leidenschaft sind. An der Kunsthochschule Weißensee fing ich mit dem Studium Textil-Design an und wechselte später zur Mode.“

Atelierbesuch bei Siddhartha Anselm Meyer

Auf den Designer for Tomorrow Award ist er im letzten Jahr durch seine Bekannten und ebenfalls Weißensee-Absolventen Alexandra Kiesel und Parsival Cserer aufmerksam geworden, beide Designer mit einer sehr individuellen Handschrift und Preisträger des DfT-Awards. Mit seiner Abschlusskollektion, einer Männerlinie, qualifiziert er sich schließlich für das Finale.

Warum eine Herrenkollektion? „Mit den Rundungen der Frauen lässt sich eigentlich viel mehr machen, doch daran probieren sich die meisten Designer. Der Mann hat grob gesagt eine rechteckige Körperform und für gute Anlässe muss immer der alt bekannte Anzug herhalten. Hier lässt sich also noch mehr experimentieren, brechen und neu erfinden.“

Atelierbesuch bei Siddhartha Anselm Meyer

Die Kreationen tragen den Namen „Old Couture“, die er vorerst im Herbst 2011 für seinen Abschluss fertig stellte. Das englische „Alt“ steht in seinem Fall aber nicht für abgelaufen, sondern für Nachhaltigkeit. Ähnlich wie die Designerinnen Schmidttakahashi, wählte Siddhartha für seine Kollektion gebrauchte Kleider, ein Großteil seiner Stoffe stammen aus dem Secondhandladen der Motz. Wer hier die Nase rümpft, liegt falsch:„Die Spender müssen wohl gut situiert gewesen sein, viele der Kleider waren aus hochwertigen Stoffen wie Schurwolle und in sehr gutem Zustand“ führt er aus und zeigt mir die Entwürfe aus den gereinigten bunten und karierten Materialien. Kein spezieller, aber ein sehr gut angezogener Mann schwebt ihm als  Kunde vor. Die farbenreichen acht Looks für die Show am 4.Juli im Mercedes-Benz Fashion Week Zelt zeigen viele Layer aus unterschiedlichen Stoffen, die auf durchdachte Weise sehr stimmig zusammen kommen. Einige hat er aus neuen Stoffen noch einmal nachgeschneidert, die Stickpullover und Accessoires sind noch in Arbeit und liegen zusammen mit einem kleinen Notizbuch auf dem großen weißen Tisch. Und sieht man dies, so ergibt sich nun das Bild von tragbarer Couture-Mode, eine elegante Form der Neuinterpretation von Schnitt und Stoff für den Körper des Mannes.

Atelierbesuch bei Siddhartha Anselm Meyer

Der Presserummel an den drei Tagen, in denen Jacobs auf die Kandidaten traf, ihre Kollektionen sichtete und Interviews gab, war wohl kaum zu übersehen. Tageszeitungen, Modemagazine, Onlineformate – alle Modeinteressierten wollten Fotos, Statements oder Jacobs einfach nur mal sehen. Ist die Aufmerksamkeit der Medien ungewohnt? „Für einige Shows meiner Uni modelte ich bereits und stand nur einige kurze Momente im Scheinwerferlicht, auch bei anderen Events schlüpfte ich in verschiedene Rollen wie beispielsweise die des Schneiders oder eben nun, stehe ich plötzlich neben einem großartigen Designer. Das finde ich nicht beängstigend, sondern sehr faszinierend und es ist interessant zu sehen wie die Mode und besonders der Markt zusammen mit den Medien agiert und funktioniert.“

Die Kandidaten hatten zudem Zeit dem Schirmherrn Jacobs die Ideen der Kollektionen zu präsentieren und Fragen zu stellen. „Ich habe ihm eigentlich nur von meinem Konzept erzählt, den Nachhaltigkeitsaspekt und meine Vorstellungen einer eleganten Männerlinie erklärt. Es hat zugehört und hat sich für diese zweite Ebene interessiert, sehr ruhig und hilfreich.“

Die Entwürfe können natürlich erst am Tag der Show gelüftet werden, bis dahin wünschen wir gutes Gelingen und haben unseren Favoriten somit in diesem Jahr gefunden.

Atelierbesuch bei Siddhartha Anselm Meyer

Atelierbesuch bei Siddhartha Anselm Meyer

Fotos © Kiki Albrecht/The Random Noise

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