Es ist nun gut fünf Jahre her, da schlug ich meinen Laptop das erste Mal auf und fing an zu bloggen: über Mode, Designer, Städte und was mir so gefiel. Oft werde ich in Interviews oder für Bachelorarbeiten gefragt: Warum hast du mit dem Bloggen angefangen? Wie wurde er „erfolgreich“, oder sagen wir mal besser, so profitabel, dass ich mein Studium davon finanzieren konnte und mit einer Agentur sowie Marken zusammenarbeite, die ich wirklich schätze? Wie ich aus dem Wissen meinen heutigen Job machen konnte? Auf das gebe ich heute und kommende Woche mal eine Antwort, denn im Rahmen aktuellen #faceforward Kampagne hat mich Clinique gefragt dies zu teilen. Das Beautylabel will aktuell eure neuen Projekt unterstützen, will wissen, was ihr vorhabt und wofür ihr die 5.000,- Euro Preisgeld benötigt (hier könnt ihr euch Idee vorstellen). Als kleine Motivation berichte ich heute von meinen Anfängen und ersten Schritten in die Selbstständigkeit.

Meinen ersten Blog hatte ich mit 16 Jahren, als ich vor neun Jahren nach Seattle für ein Auslandsjahr ging und meine Freunde nicht durch Massenmails, sondern durch dieses neue Format auf Blogspot auf dem Laufenden halten wollte. Ich fuchste mich ein wie man Fotos hochlädt und die Farben der Standart-Templates verändert; wie man die ganze Angelegenheit mit MySpace und meinem brandneuen Facebook-Account verknüpft. Das Kommunizieren durch Kommentare fanden meine Freunde und ich schnell einfacher, auch wegen der unterschiedlichen Zeitzonen. Mit Öffentlichkeit und einer breiten Leserschaft hatte das damals aber nicht viel zu tun. Und bei meiner Ankunft in Deutschland versank der Blog in den Tiefen des www. Mittlerweile ist alles von diesem virtuellen Tagebuch gelöscht, mein Interesse für diese neue Form der Kommunikation wurde damals aber erstmals geweckt.

Die Idee für diesen Blog kam während meines Praktikums beim Modelabel Akris, gut zwei Jahre später. Ich war neu in der Schweiz, wollte wissen, wie die Leute hier leben, arbeiten, wo die versteckten Ecken sind, die ich doch selbst den Berlin-Besuchern immer verrate. Doch ich fand sie nicht. Erst recht nicht online. So ging ich selbst los, entdeckte Flohmärkte beim Wochenendausflug in Zürich, kleine Vintageläden, coole Restaurants und macht mich im Atelier an Nähen von Rucksäcken. All das wollte ich teilen, um Freunden, die mich nach Tipps fragten, eine Adresse nennen zu können. Mit groß Geld verdienen und Pressereisen hatte meine Motivation damals nichts zu tun. Ich schrieb nach meinem 12 Stunden Tag nachts im Bett die ersten Zeilen, knipste Fotos mit der kleinen Digicam und dachte mir den Namen The Random Noise aus, weil ich das Wort „random“ so gerne sagte. The Random Noise heißt so etwas wie“unverhofft zu Ohren kommen“ – also genau das, was meine eigene, kleine Plattform da tat, Insider Tipps verraten und die Leser überraschen lassen von Neuem. Unterstützung für Logo, Blogaufsetzen und auch redaktionelle bekam ich damals aus dem Freundeskreis.

Über die Jahre hinweg war die wohl größte Arbeit Kontakte zu knüpfen. Wobei es für mich keine Arbeit ist, denn ich bin eine, in Fachkompetenz-Sprache ausgedrückt, sehr kommunikativ Person (a.k.a. mein Spitzname ist Quasselstrippe). Doch es ist auf jeden Fall ein sehr essentieller Punkt für den Erfolg von jedem Selbstständigen. Kontakte bietet Möglichkeiten, die jetzt oder später für beide Seiten nützlich sein können und erst den Raum aufmachen Neues zu entwickeln. Angefangen hat mein Netzwerk damals mit den ersten Besuchen der German Press Days, es folgten unzählige Events und Emails hinweg bis hin zu konkreten ersten Treffen, um sich immer wieder neu vorzustellen und seinen Standpunkt klar zu machen auch neben einem großen Modemagazin beachtete zu werden. Es ging darum Pressematerial zu bekommen, Interviews führen zu können und aufzuzeigen: hier ist ein Blog! Mir war immer klar, ich bin keine Vogue oder setzte mich nicht in die erste Reihe, aber auch ich hatte Leser uns einfach ein großes Interesse an der Sache an sich.

Für die Entwicklung über all die Jahre hinweg ist aber meiner Meinung nach ein Zusammenspiel aus vielen Aspekten verantwortlich. Der Blog war Leidenschaft, jede freie Minute nutze ich für die Inhalte, privates Interesse und Blog flossen zusammen. Das Medium Blog größer einzuordnen aber gelang mir auch durch andere Perspektiven wie mein Studium in Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, meine Praktika in PR, bei Modemagazinen und dem Modelabel. Neben dem Studium arbeitet ich in einer Beratung für politische Kommunikation. Und es ist wohl all das zusammen, was einem Verständnis für Medien, Kommunikation und einen digitalen Wandel ergeben.

In der Retrospektive klingt es wohl alles sehr stringent, logisch und aufeinander aufbauend. Im Prozess, während man es erlebt, allerdings nicht. Es gibt Neinsager, Neider, komische Blicke und ein Unverständnis für das Neue, was man da gerade macht. Während heute Blogs auf jeder PR- und Marketingagenda stehen, gab es damals nicht viel Anerkennung, geschweige denn Budgets für Blogs. Es ist wohl die Leidenschaft, die entscheidend war oder auch ist; der Wille etwas Eigenes zu schaffen, der einen vorantreibt und die kleinen ersten Erfolge. Neben den anderen ersten deutsche Modeblogger, die ebenfalls in den Anfängen steckten und wir uns gegenseitig unterstützen, mit ins Boot holten oder einfach nur zum Austausch da waren, waren vor allem ein paar wenige, sehr entscheidend Personen an der richtigen Stelle für mich da. Als Resümee ist vielleicht zu sagen, dass man einfach nur auf die wenigen, wirklich klugen Leute hören sollte, die genau das verstehen was man tut und einen auch differenziert kritisieren. Und auf noch jemanden: sich selbst und seine eigene Idee.