09
Okt 12

Herr Yves Saint Laurent, was hätten Sie zu dieser Strategie gesagt?

Saint Laurent Paris

Was Yves Saint Laurent zu diesem ganzen Schlamassel gesagt hätte, wüsste ich wirklich zu gerne einmal. Nachdem Cathy Horyn, Modekritikerin der „New York Times”, nicht zur Premiere von Hedi Slimane für Saint Laurent Paris eingeladen wurde, entfacht ein Streit, der sich weiterhin zieht. Und dank des Trubels guckt man noch einmal genauer auf die Strategie des Unternehmens und stellt fest: was da so generell vor sich geht und auch für die deutsche Presse gilt, setzt einem ein Fragezeichen und zugleich ein kleines Schmunzeln dank Verwirrung aufs Gesicht. Eine aktuelle Analye.

Die Moderedakteurin Cathy Horyn wurde nicht zur Saint Laurent  Show im Rahmen der Paris Fashion Week eingeladen. Ihrer Verärgerung verlieh sie in ihrer Kritik der Kollektion Ausdruck, die sie als mittelmäßig und nicht dem gesetzten Anspruch gemessen empfunden hatte. Draufhin wendet Slimane sich mit einem Brief via Twitter an sie, in dem er sie als “schoolyard bully” bezeichnet, auf Horyns Vorliebe für seinen inoffiziellen Konkurrenten Raf Simons anspielt und den das New York Times Mag zum Teil veröffentlichte:

“In conclusion, and as far as I’m concerned, she will never get a seat at Saint Laurent, but might get 2 for 1 at Dior. She should rejoice. I don’t mind critics, but they have to come from a fashion critic, not a publicist in disguise. I am quite mesmerized she did get away with it for so many years.”

Mittlerweile ist dieser nicht mehr in Slimanes Twitter-Account zu finden. Mensch, da ist echt mal was los in der Branche und es wird randalliert, was das Zeug hält. Nach einem hin und her via Twitter, meldet sich nun auch die Redakteurin Alexandra Shulman der britischen Vogue über die Vogue UK Website und Twitter. Sie sagt, YSL hätte Emails mit den korrekten Wörtern für die Kollektionsbeschreibung zugesendet, zusätzlich nur bestimmte Fotos für die Berichterstattung über Slimane zugelassen und probiere so die Medien zu kontrollieren. Shulman lässt über ihren Twitter-Account verlauten:

“@YSL fallout an example of what happens when you try to overly control the media. Generally everyone is more generous to first collections”

Und wie sieht es mit den deutschen Medien aus? Die Chefredkateurin der deutschen InStyle Annette Weber erhielt laut eigenen Angaben auch keine Einladung, dabei ist das Magazin mit einer Auflage von knapp 440.000 immerhin eines der größten Blätter Deutschlands. Weitere deutsche Moderedakteure, die vor Ort waren, in den Jahren zuvor eingeladen wurden und dessen Meinungen in Deutschland für nicht ganz unwichtig gehalten werden, erhielten auch keinen Zutritt. Dass negative Kritik aufgrund von persönlichen Zurückweisungen herrscht, hätte man sich da doch denken können. Oder nicht?

Interessant ist auch zu sehen, dass Onlinemedien wie Bloggerin Susie Bubble, LesMads oder Stylebook hingegen eine Einladung erhielten. Versteht mich nicht falsch, ich bin völlig dafür die neuen Medien einzuladen, finde es auch völlig berechtigt und wäre selbst natürlich sowas von gerne mit dabei gewesen. Was ist nicht verstehe, ist, nach welcher Strategie die Listen für die Einladungen erstellt wurden. Ist es die Angst vor den Meinungen der großen Kritiker? Kontrollverlust, wie Shulman sagt? Und trotzdessen wird nun auf die Onlinemedien eingegangen? Eine weitere Lücke, die sich mir nicht erschließt: Warum heißt die Website weiterhin ysl.com – man könnte sie ja auf eine neue Seite weiterleiten – und warum prangte das bekannte YSL-Logo am Eingang der ersten Saint Laurent Show, wenn das doch eine gute Möglichkeit gewesen wäre den neuen Umbruch zu beginnen? Fragen, die eigentlich nur verdeutlichen, dass mir diese Neustrukturierung irgendwie zu unschlüssig über die Bühne geht.

Bild via © Zeitgeschmack

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