Wunderkind Spring/Summer 2014

Über Wolfgang Joop mag man denken was man will, aber er gehört mit Karl Lagerfeld und Jil Sander zu den großen deutschen Namen der Modebranche. Und was ich persönlich an ihm schätze: er traut sich in den Medien immer frei weg seine Meinung zu sagen, wie neulich im Kulturspiegel, als er sagte dies sei vielleicht seine letzte Show auf der Pariser Modewoche gewesen und er hängt alles an den Nagel. Nach der Präsentation seines Labels Wunderkind traf ich den Potsdamer nun backstage zum Interview und klärte mit ihm die Frage nach Profit, was er von Bloggern hält und ob wir nun au revoir zum Wunderkind sagen müssen.

The Random Noise: Woher holen Sie nach all den Jahren immer wieder neue Inspirationen für Ihre Kollektion?

Wolfgang Joop: Eine Inspiration steht nicht einfach vor einem, wenn man sie braucht. Die entwickelt sich ja, dabei hilft mir natürlich auch meine Muse Sara. An ihr kann ich vieles ausprobieren, sie erlaubt mir jeden Look. In dieser Sommerkollektion dachte ich: Wo ist eigentlich der „Summer of Soul“ geblieben?  Den Film habe ich auf Arte gesehen und war fasziniert von dieser ganzen Musik in der Zeit, dem Rhythmus und R’n’B, alles war noch analog, frisch und neu. Wer hat uns das eigentlich weggenommen, fragte ich mich? Wir, die Modeleute, können eine Stimmung am schnellsten zurück rufen und deswegen tue ich das einfach. Ich kann mich auch an die Zeit zurück erinnern, wo wir Mitte der 70er nach New York gingen, keiner Geld hatte, um sich bei Bergdorf Goodman etwas zu kaufen. Da hat man sich den Look selbst hergestellt.

Wie wurde dies in die Spring/Summer 2014 Kollektion von Wunderkind genau umgesetzt?

Die Prints entwickle ich alle selber, einige zeichne ich auch selbst. Diese Drucke sehen in der Wunderkind Kollektion wie Vintage oder gewaschen aus, dazu das Baseball-Shirt, die Plattform Schuhe, die früher natürlich super wichtig waren – sonst kam man gar nicht über den heißen Asphalt. Aber auf jeden Fall wollte ich diese Frivolität und Sexualität wiedergeben.

Wunderkind Spring/Summer 2014

Im aktuellen Kulturspiegel haben Sie gesagt, dass Sie am liebsten aussteigen würden und dies vielleicht Ihre letzte Show sein könnte. Müssen wir uns von Wunderkind verabschieden?

Manchmal kommen Redakteure vorbei, wenn man gerade die Schnauze voll hat und denkt: jetzt reicht’s mir gerade irgendwie. Aber es läuft dann eben auch wieder anders und es steht schon längst wieder jemand vor Ihnen, der sagt: los, gebt mir Arbeit! Natürlich gibt es Momente, in denen man denkt, warum mache ich das eigentlich alles? Denn gerade in Deutschland fragt dich jeder: wie viel Profit machst Du damit, wie viel Geld verdienst Du damit, warum investierst Du dein eigenes Geld darein? Die Leute verstehen gar nicht, dass man damit lebt. Einem Maler sagt man ja auch nicht: leg deinen Pinsel aus der Hand und lass das. Die Deutschen denken immer, dass das, was wir machen, behandelbar sei oder vermeidbar. Sie kennen es gar nicht diese Leidenschaft und Passion sich auszudrücken und damit hier in Paris unter allen Nationen seinen Standpunkt klar zu machen.

Also dürfen wir uns nächste Saison wieder auf Wunderkind freuen?

Auf jeden Fall! Natürlich!

Wunderkind Spring/Summer 2014

Wie sehen Sie als Designer Modeblogger, gerade hier in Paris?

Eigentlich mehr als die Magazine. Es gibt wahnsinnig viele Modemagazine, die sehr ähnlich aussehen – mit den gleichen Anzeigen und sehr stylischen, übertrieben gemachten Editorials. Das Überladene wirkt auf mich oft künstlich, da kenne ich mich gar nicht mehr aus oder sehe keine wirklich neuen Trends, das erreicht mich nicht.

Da finde ich Blogger viel frischer und mir ähnlicher, denn sie drücken – genau wie ich – etwas sehr Persönliches aus. Das ist mir wichtiger. Und online wird in unserer Branche ja so wieso immer wichtiger, schaut man sich nur die großen Internetmagazine wie style.com an. Es gibt allerdings einige Leute aus den Print-Medien, die seit sehr langem das Geschäft fest in der Hand haben und für die sind Blogger natürlich etwas unbequem. Auf jeden Fall finde ich Blogger toll und lade sie gerne ein, ich würde am liebsten sogar noch andere, fremde Leute von der Straße mit reinlassen, wenn es Platz gäbe.

Wunderkind Spring/Summer 2013

Ist es für Sie noch aufregend in Paris zu zeigen?

Du kannst in Paris nichts mehr vertuschen, auch eine Miuccia Prada zeigt hier mit Miu Miu. In Mailand hat man oft das Gefühl es ist eine gegenseitige Repetition und es ist irgendwie eine schlechte Stimmung in der Stadt. Hier ist das ganz anders: hier begann die Moderevolution, hier ist die Moderevolution, hier gibt es einen Ausblick auf die Zukunft.

Nach der Modemetropole Paris kehren Sie in ihr Haus nach Potsdam zurück, ist dort Ihr Ort der Erholung ?

Eigentlich geht es immer gleich weiter. Ich habe den Monat voll mit Lesungen und einer Ausstellung meiner Gemälde im Museum der Bildenen Künste Leipzig. Ich hoffe im November kann ich noch mal abhauen. Ehrlich gesagt ist der Ferienort Potsdam der Arbeitsort geworden und damit ein ganz anderer als früher. Aber ich finde es dort immer noch toll.

Wunderkind Spring/Summer 2014

Fotos via Wunderkind Press

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