Investor Nicolas Berggruen: Strukturiert er Karstadt zur Modekette um?

Knapp 1,5 Jahre ist es her, dass die deutsche Presse und auch wir den Blick auf die Rettung der Karstadt-Kette geworfen haben. Ein „Fashionable Makeover“ probierten wir damals zu erahnen, denn Investor Nicolas Berggruen holte sich Designer Max Azria mit an seine Seite und wollte so das etwas eingeschlafene Warenhaus in eine modische Kaufhauskette umwandeln. Letztes Jahr reihte sich Karstadt dann neben dem KaDeWe und weiteren hochwertigen Kaufhäusern beim Verkauf der Karl Lagerfeld Coca Cola Flaschen mit ein. Und so resignieren wir heute und fragen uns nicht ganz vorbehaltlos: Was hat sich getan?

Es ist nun 21 Monate her, seit Berggruen am 1. Oktober 2010 den Konzern übernahm und auch wenn diese vier Saisons im schnellen Modekarusell wie eine Ewigkeit erscheinen, so ist dieser Zeitraum für die Umstrukturierung eines Konzerns mit knapp 25.000 Mitarbeitern nicht gerade viel. Was können wir, die Kunden, schon sehen, feststellen und was bewegt uns dazu Karstadt in unseren Shoppingguide mit aufzunehmen? Es sind natürlich die Labels und das Design der Kleidung! Karstadt hat sich als überlegten Schritt die Lizenzen für den Vertrieb von einigen neuen und vorallem internationalen Marken gesichert, einige dieser, die im Mai hinzugekommen sind, haben wir mal unter die Lupe genommen:

Walter Baker: Da wäre die Kollektion Walter des New Yorker Designers Walter Baker, ein Label, dass in den USA sonst in Häusern wie Bergdorf Goodman, Bloomingdales, Henri Bendel oder Saks Fifth Avenue hängt und von Celebreties wie Rihanna, Lighton Meester oder Taylor Swift getragen wird. Seit September 2011 bietet Karstadt als einziger Händler die Kollektion in Europa an und auf den aktuellen Kleiderstangen sieht es wirklich ganz stilvoll aus: Trenchcoats in Orange, asymetrische Shirts und Keylooks mit Leder in Braun, Beige, Gelb und Koralle.

Walter by Walter Baker SS 2012

Vince Camuto: Derzeit findet sich die zweite Kollektion des amerikanischen Schuhdesigners in den Karstadt-Läden und ist sonst an den Füßen von Katie Holmes, Jessica Alba oder Ashley Tisdale zu sehen. Neben Walter Baker überzeugt mich diese Linie am meisten, glatt verguckt habe ich mich in die Blockabsatz-Sandalen im Color Blocking-Look und auch Flechtwerk oder Holzabsatz lassen sich sehen.

Vince Camuto Schuhkollektion SS 2012

Jessica Simpson: Die Schuhlinie der amerikanische Sängerin Jessica Simpson ist auch exklusiv in ausgewählten Filialen erhältlich und zeigt – wie zu erwarten – weibliche Kreationen und hohen Absatz: Wedges, Peep-Toes, Riemchen-Sandalen und Plateau-Pumps in knalligen Farben! Das Karstadt-Schuhregal kann somit sicherlich mit ähnlichen Modllen von Buffalo oder Görtz17 mithalten.

Jessica Simpson Schuhkollektion SS 2012

Manoukian: Auch dieses französische Label gibt es seit September 2010 in 16 ausgewählten Filialen zu erstehen. So früh ein klassisches Label bei Karstadt? Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass Manoukian seit 2005 zur BCBGMAXAZRIAGROUP gehört, dessen Designer und Inhaber der neuer Geschäftspartner von Berggruen, Max Azria, ist. Die aktuelle Frühjahr/Sommer-Kollektion 2012 überzeugt uns durch klassische und kommerzielle Schnitte mit gelungenem graphischem Muster und hellen Sommerfarben wie Curry, Lemongrass, Blau, Bright Rose, Taupe, Grau und Charcoal.

Manoukian SS 2012

Le Tanneur: Ein weiterer Franzose im Sortiment! Le Tanneur wurde 1898 in Frankreich als Taschen- und Accessoire-Unternehmen gegründet und vertreibt seither hochwertige Geldbörsen, Clutchbags und Shopper. Kein wahnsinnig innovatives Design, aber klassisch, gut gearbeitete und sehr tragbar. Auch hier sichert sich Karstadt die exklusive Lizenz für den Vertrieb.

Le Tanneur Taschen SS 2012

Adrianna Papell: Die Abendmode des New Yorker Labels ließen sich bereits auf dem Roten Teppich an prominenten Trägerinnen wie Keira Knightley, Queen Latifah oder Tyra Banks bewundern. Meinen Geschmack treffen die bunten Roben mit Raffung und Glitzersteinchen leider gar nicht, für das Sortiment der glamourösen Abendkleidung für Abiball & Co. wie es auch Peek & Cloppenburg anlegt, aber sicherlich eine überlegte Ergänzung.

Adrianna Papell SS 2012

SHE: Die hauseigene Marke She zeigt ebenfalls weibliche Cocktailkleider, dafür aber eher kurz und etwas stylischer – kleines Schwarzes oder Holderneck bilden eine Alternative zum langen Abiball-Kleid, sehr mädchenhaft und für eine etwas jüngere Zielgruppe.

She SS 2012

Ein vorläufiges Resümee: Karstadt – so scheint es – arbeitet derzeit gezielt am modischen Image, zeigt im Sortiment nun mehr französische und amerikanische Marken, die einen höheren Designanspruch versprechen und sich vor allem durch die prominenten Trägerinnen einen Namen gemacht haben – und sich in in Deutschland wohl machen sollen. Eine Entwicklung hin zur gut sortierten Bekleidungshausketten können wir dem Unternehmen nur wünschen, obwohl eine derartig große Imageveränderung nicht das Leichteste ist. Ein High-End Concept Store schwebt wahrscheinlich weder Karstadt noch mir vor Augen, aber eine gute Adresse für den kommerziellen Markt ähnlich wie P&C ist vielleicht doch gut möglich. Immerhin gibt es auch in den USA oder Frankreich mehrerer dieser Häuser, die parallel existieren. Mit den internationalen Marken setzt die neue Geschäftsführung jedenfalls auf die richtigen Felder und zudem wissen wird: Ab morgen werden noch einige weitere hochkarätige Lables hinzukommen.. Wir werden berichten!

Fotos via dw.de und Karstadt Press

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