Vor einigen Tagen wurde bekannt gegeben, dass die für September geplante Kollaboration zwischen MAC und dem Label Rodarte gecancelled wurde. Warum? Wegen eines (!) Eintrages der amerikanischen Bloggerin Jessica Wakeman von The Frisky – die allerdings auf eine sehr aufmerksamkeitsstarke Headline achtete: „MAC/Rodarte Makeup Collaboration Names Nail Polish After Impoverished, Murdered Women“.

Es braucht demnach tatsächlich nur einen einzigen Blogger, um eine Welle der Empörung zu starten, die im Rückzug der kompletten (!!!) Kampagne gipfelt. Das seltsame an der Sache: die lediglich 24 direkten Kommentare zu Wakemans Post sprechen eine deutlich andere Sprache.

„Anything to bring attention to the women murders in Juarez should be applauded — bc despite Amnesty’s efforts and the release of „Bordertown“ (the movie you refer to), very few people in the U.S. know anything about the situation. Maybe it was a little tacky, yes, but again, if it gets people talking and demanding action, then I support it.“

„OH MY GOD. Really?! Juarez is not defined by the tragic murders that have happened there. It’s a real-live city, with actual people in it, who don’t kill or murder, who try to live their lives day-to-day. Japan goes unprosecuted for slaughtering whales every year to sell for meat, which is illegal, should we pretend Japan doesn’t exist? What a ludicrous argument.“

„It’s a city. Yes, the murder rate is high, but naming something „Juarez“ isn’t naming it „after impoverished, murdered women.“ That headline is lame.“

„Yes it can be seen as tasteless but by using these names it hopefully brings curiosity and awareness to those who otherwise wouldn’t know about the Juarez murders. I guess Mac and Rodarte are trying an outlet where people who are into fashion wouldn’t necessarily know about the murders and hope that by bringing it to their attention, they would campaign for justice and protection for the women.“

„The Holocaust comparison was 10x more offensive to me than any (strained) interpretation of MAC’s new color names.“

„Since when are makeup companies responsible for raising awareness about violence? I think we may be reading a bit too far into a name.“

Meines Erachtens hat Wakeman mit ihrem Eintrag bzw. der Formulierung ihrer Meinung weit übers Ziel hinausgeschossen. Ja, es kann sein, dass MAC und Rodarte die Begründung oder die Inspiration der Kollektion hätten deutlicher machen müssen oder sagen können, dass sie nicht nur Aufmerksamkeit auf die Umstände in Juarez ziehen wollen, sondern einen Teil des Umsatzes entsprechend spenden. Ich kann nachvollziehen, dass es Leute gibt, die sich über die Namensgebung „Juarez“ eines Nagellacks echauffieren. Aber der Name „Factory“ kann nun wirklich auf vieles hindeuten und muss nicht zwangsläufig mit Juarez, der einen Fabrik, ermordeten und vergewaltigten Frauen in Verbindung gebracht werden. Diese Bezeichnungen demnach als geschmacklos zu beschreiben finde ich übertrieben, ebenso wie Wakemans abschließenden Vergleich mit Bergen-Belsen: „What’s next, a lipstick called Bergen-Belsen?“.

Hier der Original-Post von The Frisky.

Bild: nymag.com

  • bellinni

    der vergleich mit bergen-belsen soll ja wohl ein scherz sein, oder?! voll übertrieben!
    hatte mich echt schon auf die kollektion gefreut :(

  • YM

    Niemals wurde die Zusammenarbeit aufgrund eines (!) Eintrages abgesagt.

  • Teresa

    @YM:
    folgendes sagt fashionista.com: „Of course, this big decision, which likely cost M·A·C a pretty penny (including dollars spent by M·A·C and Rodarte on damage control), can be traced back to a single blog post written on July 15th by Jessica Wakeman at the Frisky.“

    Es geht nicht nur um den einen einzigen Eintrag, sondern um die Welle der Empörung – wenn man so will – die dadurch ausgelöst wurde.