Karlotta Wilde FW 2012

In einem hübschen kleinen Hinterhof in Berlin-Mitte findet sich das Atelier von Karlotta Wilde, in dem sie an ihrem gleichnamigen Label arbeitet. Als ich vor zwei Wochen vorbeischaue, läuft das Radio, frische Orchideen stehen auf ihrem Tisch und das weiße Studio strahlt – genau wie die Designerin selbst, als sie über ihre Anfänge der Mode, Berlin als Metropole für Jungdesigner und natürlich ihre ganz neue Kollektion mit mir spricht, die gerade in diesem Moment im Studio des Mercedes-Benz Zelts gezeigt wird.

The Random Noise: Wie hat alles angefangen, wie bist du zur Mode gekommen?
Karlotta Wilde: Angefangen hat es relativ früh, eigentlich eher über die Kunst. Da ich viel gezeichnet und gemalt habe, wollte ich klassisch Kunst studieren. Von Oben – also meinen Eltern – wurde mir aber eher abgeraten und je älter ich geworden bin, desto mehr kam die Mode mit hinzu. Während der Schulzeit hatte ich bereits ein Praktikum bei Jil Sander in Hamburg gemacht und als dann irgendwann die Frage mit dem Studium kam, war es bei mir ganz klar Mode.

Also ging es von der Schulbank direkt zur Mode?
Genau, direkt nach dem Abi bin ich nach Berlin gegangen, habe auf der ESMOD angefangen, dann auf die AMD in München gewechselt und dort meinen Abschluss gemacht.

Karlotta Wilde FW 2012

Wie kamst du zum Premium Young Designers Award 2011?
In der Branche läuft ja wirklich viel über Kontakte, dass muss man schon sagen. Eine gute Freundin, hatte mir eigentlich nur geholfen, dass meine Bewerbung für einen Stand ganz weit oben lag. Dort haben sie mich dann wohl zufällig entdeckt und mich ausgewählt, denn für den Award bewerben kann man sich ja nicht.

Was hat sich in deinem Leben seit deinem Gewinn im Juli 2011 verändert?
Sehr viel. Ich kann allerdings immer nur schwer sagen, ob es nur am Award lag. Es war die Saison, wo am meisten passiert ist: Das erste Mal bei der Fashion Week dabei, das erste Mal eine Show und einen Stand auf der Messe sowie meine Premiere in Paris im Showroom. Es war wirklich meine erste Kollektion, die professionell vertrieben und PR technisch unterstützt wurde. Daher ist es alles insgesamt viel größer geworden. Der Award unterstützt natürlich all diese Effekte und hat sicherlich einen großen Anteil.

Karlotta Wilde FW 2012

Was gibt es in deiner neuen Herbst/Winter 2012 Kollektion zu sehen?
Haha, viele schöne Sachen! Die Inspiration war Sturm, kalter Regentag, Strand, ein bisschen mysteriöses und düsteres Wetter. Natürliche, gedeckte Farben von Schwarz über verschiedene Grau-Nuancen bis hin zu Eisblau, Blau und Sandtönen. Die Schnitte sind Mens-Wear lastig, sehr graphische Elemente, kastenförmig, mit Spitzen und Kanten. Und thematisch erneut Gegensätze: Transparent-nichttransparent, dünne Stoffe-dicke Stoffe, Wolle-Seide. Das Erste mal haben wir auch Accessoires kreiert, also Gürtel und 1-2 Taschen sind mit dabei.

In jeder deiner Kollektionen war bisher Schwarz ein zentrales Thema – was bedeutet die Farbe für dich und warum greift du sie immer wieder auf?
Schwarz ist einfach klassisch und steht jedem. Jedes Mal wenn ich selbst in den Kleiderschrank greife, wähle ich mindestens 1-2 schwarze Kleidungsstücke [wie passend, heute trägt sie schwarze Hose, schwarze Stiefeletten und schwarze Mütze zu Jeanshemd]. Ich habe 50 Paar Schuhe – alle sind Schwarz. 10 Paar Jeans – alle sind Schwarz. Egal ob ich mich selbst anziehe oder auf Stoffmessen gehe – ich greife immer zu Schwarz. Ob Seide, Wolle oder Strick – jeder Stoff sieht in dieser immer einsetzbaren Farbe schön aus.

Karlotta Wilde FW 2012

Welche persönlichen Akzente tauchen in deinen Kreationen auf?
Mir ist es sehr wichtig, dass ich alle meine Kleider selbst tragen würde. Vieles probiere ich erst einmal eine Abend oder Tag an, um zu wissen, ob sie auch wirklich bequem, tragbar und praktisch sind. Das finde ich super wichtig – denn wie häufig kauft man sich leider ein Teil das unbequem ist und deshalb nur einmal anzgezogen wird. Dafür sind die Sachen auch zu teuer und hochwertig, dass sie dann nur im Schrank liegen bleiben. Ich will Sachen machen, die die Leute tragen wollen. Daher entspricht mein Design-Stil auch wirklich meinem persönlichen Stil.

Was für ein guter Übergang zur nächsten Frage. Wie würdest du die Frau beschreiben, die deine Kleidung trägt?
So wie meine Freunde und ich selbst. Eine selbstbewusst, auf jeden Fall keine zu aufs Äußerliche reduzierte Frau, die sich nicht anzieht um sich zu stylen und immer perfekt auszusehen, sondern um sich wohl zu fühlen, und ihren komplett eigenen Kopf hat. Nicht weil man dnach dem trend gerade etwas kaufen muss, sondern weil sie die Sachen und das Design einfach toll findet.

Karlotta Wilde FW 2012

Hast du in deiner jetzigen Kollektion ein persönliches Lieblingsstück?
Normalerweise habe ich immer nur eins, in dieser Kollektion habe ich das erste Mal wirklich mehrere. Mhh, aber doch, ich könnte mich auf eins reduzieren. Ein hellgrauer Mantel mit asymmetrischem Revers, eigentlich sehr klassisch und Menswear-kastenmäßig. In den habe ich mich schon ganz verliebt..[Auf dem Foto trägt sie den Mantel dann auch]

Du hast bereits in Hamburg, München und Paris gelebt. Warum hast du dich entschieden dein Label genau in Berlin zu gründen und hier aufzubauen?
Zuerst hatte ich vor es in London zu machen. Mit Paris war ich durch und ich bin mehr oder weniger in die Selbstständigkeit reingerutscht. Nach Berlin bin ich aus einer Kurzschlussreaktion gezogen. Ich bin einfach hier her gefahren, habe mir Wohungen angeguckt und die Erste genommen – ohne zu wissen, was ich genau mache. Viele Freunde von mir waren hier und es war eine Phase, in der ich nicht zurück nach Hause wollte, nicht nach Paris und irgendwas hat mich nach Berlin gezogen. Dann kam peu a peu die erste Kollektion zu Stande. Und es war genau richtig, Berlin ist die beste Stadt in Deutschland dafür. Hier hat man alles – günstige Mieten, die Fashion Week, mittlerweile viele Messen sowie Fotografen, Stylisten & Co. vor Ort.

Ist Berlin die ideale Stadt für junge Designer oder kreist hier nicht manchmal alles etwas um sich selbst?
Ja, sicherlich das tut es. Aber man muss eben selbst über den Tellerrand gucken. Natürlich ist das hier ein Klüngel, aber man darf sich eben nicht selbst auf Berlin beschränken. Um international erfolgreich zu werden – und das will ja bekanntlich jeder Designer – zu den unterschiedlichen Messen und Modewochen reisen. Für mich ist Berlin eben nur die Base. Aber es lohnt sich eben aus Kostengründen und der Infrastruktur. In Hamburg oder München könnten sich die meisten keine Wohnung plus Atelier leisten und ich müsste aus anderen Städten zu den Messen und der Fashion Week anreisen. Berlin hat sich zur Modestadt entwickelt und ist einfach sehr praktisch.

Deine letzte Kollektion hast du auch in Paris im Showroom gezeigt. Wie unterscheiden sich die Reaktionen in Paris und Berlin?
Paris ist sehr viel schwerer. Zwar gibt es hier auch viele Messen, dort allerdings acht wirklich Wichtige mit einer riesigen Auswahl an Ausstellern und jungen Designern. Es gibt fast einen Fashion-Overkill. Die Leute sind sehr wählerisch, man wird sehr schnell übergangen, aber es kommt bei mir langsam in Gange. Ich hab super positives Feedback bekommen, nun werde ich die zweite Saison da sein und gerade der Einzelhandel beobachtet gerne erst einmal mehrere Saisons, um dann zu schauen, wie man sich entwickelt. Da ist es auf dem deutschen Markt sehr viel „einfacher“ für junge Designer wahrgenommen zu werden.

Bereits das 2. Mal bist du bei der Berlin Fashion Week dabei -Wie schätzt du den bisherigen Wachstum der Modewoche ein?
Vor drei Jahren habe ich noch fast nichts mitbekommen, da ich für Designer gearbeitet habe, die in Paris oder London zeigten. Ich bin ja auch erst seit zwei Jahren hier, aber glaube – so von dem was ich gehört habe und persönlich mitbekommen habe – sie sich gesteigert hat. Es ist größer und professionellere geworden, super Labels die zeigen und mit dem Studio werden die jungen Designer unterstützt. Die Berlin Fashion Week hat einen tollen Mix an Leuten die zeigen, während in den anderen Städten man häuftig nur großen Namen zählen.

Wie siehst du Karlotta Wilde in der Zukunft?
Haha, immer Baby-Steps machen. Natürlich würde ich gerne im Ausland Fuß fassen. Über die Grenzen von Deutschland verkaufen und wer weiß, was dann noch kommt. Ich finde es immer schwierig zu planen, ich weiß nicht ob es gut oder schlecht ist, bis jetzt habe ich auch immer wenig geplant – und es ging immer ganz gut. Schaun wir mal was kommt, ich geb mein Bestes.

Karlotta Wilde FW 2012

Karlotta Wilde FW 2012

Karlotta Wilde FW 2012