Food-Bloggerin und Creative Hannah Schmitz

Zum letzten Advents-Wochenende haben wir uns etwas ganz Besonderes für Euch ausgedacht – Die kommenden Tage drehen sich ums Zuhause und ums Fernweh, um gutes Essen und das tolle Gefühl, es sich schön zu machen. Natürlich auch um Reisen, um inspirierende Menschen – weltweit. Beginnen möchten wir mit Hannah Schmitz. Sie ist das beste Beispiel für das, was passieren kann, wenn man seinem Herzen folgt.

Von Kindesbeinen an eine Genießerin, gewann sie während ihres Grafikdesignstudiums die Kochschows das ‚Perfekte Dinner‘, ‚Unter Volldampf‘ und ‚Kochchampion‘.  2009 startete sie ihren ersten Kochblog, der stark durch ihren japanisch-rheinischen Hintergrund geprägt wurde. Man las dort über leckere Macarons, bevor sie in aller Munde waren. 2011 zog sie mit ihrem Mann nach New York und arbeitete als Food Consultant bei The Jewels of New York, unter anderem für Kunden wie Mac Cosmetics, West Elm und Design Sponge. Mittlerweile ist sie Mama und zurück in ihrer Heimatstadt Düsseldorf. An einem Dienstagmorgen empfing sie uns in ihrer Loftwohnung und erzählt aus ihrem Leben. Dabei geht es auch darum, was passiert, wenn man nicht den leichtesten Weg wählt. Wenn man sich, anstatt auf dem heimischen Erfolg auszuruhen, nach neuen Grenzen und Herausforderungen sucht.

Das bisher einschneidendste Erlebnis war ein Umzug nach New York. Hannah befand sich noch im Studium des Grafikdesigns. Durch die erfolgreiche Teilnahme an diversen Kochshow-Wettbewerben geriet dieses ohnehin schon etwas in den Hintergrund, und nun erhielt ihr damaliger Freund auch noch ein Jobangebot am Big Apple. Trotzdem zögerte sie keinen Moment, mitzugehen. „Spätere Arbeitgeber interessieren sich ohnehin mehr dafür, dass ich mal ein Jahr in New York war, als dass ich in der Regenstudienzeit meinen Bachelor in der Tasche habe„. Also richteten sich die beiden zusammen in New York ein. Anfangs war Hannah komplett auf sich gestellt „Ich sprach die Sprache nicht, ich kannte niemanden – ich war komplett auf mich allein gestellt. Nach zwei Monaten wollte ich endlich etwas machen. Ich bot Cafés und Restaurants meine Hilfe an – aber ohne Arbeitsgenehmigung war da nichts zu machen.“ Sie rafft sich auf und trifft alle notwendigen Maßnahmen. Und dann stellt sie sich bei Jewels of New York vor, jeder Food-Consulting-Firma, die sie bereits aus ihrer rheinischen Heimat bewunderte. Und es klappt. Hannah überzeugte Inhaberin Diana Yen in Windeseile von ihren Fähigkeiten hinterm Herd. Sie wird fortan ihre rechte Hand.

Hannah's Küche

The Random Noise: Wie kam es zu Deiner Leidenschaft zum Kochen?
Hannah Schmitz: Ich habe schon immer gerne gegessen. Hinzu kommt, dass meine Mutter als Japanerin uns die Freude an liebevoller Essens-Zubereitung und Präsentation vorlebte. Anstatt dem Pausenbrot bekam ich eine Bento-Box mit in die Schule. Die Liebe zu einem besonderen Gericht war ein Schlüsselerlebnis. Mein Onkel hatte sich des öfteren eine Art Comfort-food-Mittagessen zubereitet. Eine köstliche Griessuppe. ich wollte diese auch nachkochen, um sie, unabhängig von ihm, einfach immer dann essen zu können, wann ich wollte. Also probierte ich es aus – und es klappte nicht. Ich fragte ihn nach dem genauen Rezept und übte sie fortan, bis sie mir gelang.

Die Kochshows haben Dich zum Münchener Sterne-Restaurant Tantis in München gebracht. Als Praktikantin..
Das war eine unglaubliche Erfahrung. Viele Stunden unter dem Chefkoch Hans Haas und vielen jungen Köchen. Es herrschte ein toller Zusammenhalt, denn man verbringt enorm viel Zeit auf sehr engem Raum. Als bekennende Frühschlafgeherin kam ich im Tantris schon an meine Grenzen. Einmal schlief ich einfach mal von zwei bis drei am Nachmittag auf einer Bank (lacht). Aber trotzdem habe ich viel gelernt. Ich kannte zwar bereits viele der dort angewandten Techniken – Hans Haas steht ja eher auf traditionelle Kochweisen. Das, was er beispielsweise an Molekularküche ins Repertoire aufnahm, das war mir bereits bekannt. Die traditionelle Zubereitungsweisen auch. Schließlich  las ich seit Jahren Kochbücher wie Romane. Was mir neu war, war dieses Zahnrad Küche. Wie das funktioniert, wenn 150 Tische mehrgängige Menüs bestellen. Und dann muss jeder Teller Sternequalität haben – seit Jahren hält das Restaurant dieses Qualitätsanspruch aufrecht. Unheimlich inspirierend!

Was war das für eine Zeit?
Die Gastronomieszene war im Umbruch. In der Wirtschaftskrise ging man einfach nicht mehr so oft in Sternerestaurants essen. Und dann kam das ja mit den Supperclubs und so weiter, also alternative Grastonomiekonzeote. Man hat vielleicht nicht mehr so Lust, dem Michelinführer in den A zu kriechen. Ganz nach dem Motto: Wir machen es uns lieber in der Lagerhalle zwischen Wollknäueln gemütlich.

Danach ging es für Dich und Deinen Mann nach New York. Wie war es, an der Seite von Diana Yen für The Jewels of New York zu arbeiten?
Ich hatte The Jewels of New York über den Blog Designsponge gefunden. Ich fand das schon immer toll, was die machen. Sie sind ein Multidsciplinary Foodstudio, das auch im gerade erschienenen Kilfolk Tables Buch gefeatured wurde. Diana Yen machte Caterings jeder Größe, auch für Kunden wie MAC Cosmetics, wo die Wahl der Speisen und Getränke an die Farb-Palette der Produkte angepasst werden. Foodstyling ist das, was passiert, um Gerichte appetitlich für Magazine wie zum Beispiel dem Wallpaper Magazin abzulichten. Man kocht  und richtet schön an. Wir haben auch gemeinsam an dem erste Jewels of New York Kochbuch gearbeitet. Es erscheint nächstes Jahr und heißt „A simple feast“.

Welche Rezepte sind in diesem Kochbuch?
Wir haben uns an Klassikern orientiert, damit die Leute auch einen Anhaltspunkt haben. Und dann haben wir einen ungewöhnlichen Twist oder eine ungewöhnliche Zubereitungsart reingebracht. Diana hatte vorher viel für Magazine gearbeitet, die sich natürlich eher an Hobbyköche wendet. Es darf nicht zu kreativ sein, aber es muss dich natürlich anmachen. Beim Styling ist es so, dass es halt eine spezielle Sprache sprechen muss. Es muss einen Wiedererkennungswert haben und die Jewels of New York Sprache sprechen. Zeitlos und zeitgemäß gleichzeitig sein. Wie bei Fashionfotografie sieht man auch hier sofort, ob ein Rezept in den 90ern geschossen wurde, oder eben heute!

Welche Bildsprachen gibt es im Foodstyling?
Es gibt das ganz cleane, so wie in der Mode auch. dann gibt es dieses Gemütliche, die warmes, weiches Licht hat und ganz rustikal ist. Und dann gibt es eine frische, die darf nicht ganz clean sein und auch nicht zu rustikal. Ein  Mittelding. So ist der Stil von Jewels of NY.  Elegant und frisch und mit rustikalen Elementen. Diana hat echt einen guten Mittelweg gefunden. Sie liebt Antiquitäten und alte französische Kupfertöpfe. Diana ist auch Produktdesignerin und lässt sich von Textilien und Farben für ihre Rezepte und Stylings inspirieren. Vielleicht sieht sie einen tollen Auberginen-Ton und sagt sich dann „Hey, wir machen was mit Pflaumen für die Winterstory“.

Styling-Assistenz für The Jewels of New York

Was für eine Welt ist die kreative Foodszene in New York?
Um uns herum waren viele Designer und Leute aus der Startup-Szene und aus dem Dunstkreis der Köchin Martha Stewart…und ganz viele kreative Asiaten (lacht). Unser Studio haben wir uns mit Jade Lai geteilt, der Designerin und Gründerin der Klamottenläden von Creatures of Comfort, die in Soho und in New York Läden hat. Jade war schon cool. Sie ist auch so eine, die Essen toll findet. Im Endeffekt hat sie zwar immer eher Juice Cleanses gemacht, als bei uns mitzuessen, aber sie war immer sehr begeistert darüber, was wir machen. Ansonsten waren viele Fotografen, Grafikdesigner, Regisseure im Freundeskreis. Ein sehr guter Freund von Diana war zudem der Chefredakteur der Elle Decoration. Die beiden konnten sich stundenlang über die Wahl des richtigen Hintergrundes von einem Gericht unterhalten…

Wie ist es, in New York zu leben und zu arbeiten?
Die Leute sind wahnsinnig produktiv. Das, was ich mir in New York an Portfolio aufgebaut habe innerhalb eines Jahres, dafür hätte ich in Deutschland viel länger gebraucht. Und die Leute scheinen sich gegenseitig zu pushen anstatt zu bremsen. Man denkt sich, toll, dass Du erfolgreich bist, und wie kann man sich gegenseitig fördern, anstatt missgünstig zu sein. Ich habe das Gefühl, man gönnt sich mehr. Klar überlegt man dann, wie kann ich das für mich nutzen, aber das ist ja auch legitim. Anderseits ist es manchmal auch nervig, nur den Fokus auf Arbeit zu haben. Ich find das lustig. Wenn Du auf einer Party bist, dann geht es erstmal darum, ‚wo wohnst Du‘ und dann ‚was machst Du?‘. Wo man wohnt, sagt dann was darüber aus, wie Dein Status ist. Das ‚Was machst Du?‘ ist immer damit verbunden mit dem, wie kann man sich zusammentun und wie kann ich das auch für mich nutzen? Das war zum Beispiel in Californien anders, viel entspannter. Wir konnten auf einer Poolparty sein und nicht einmal gefragt werden, was wir machen! (lacht)

Ist das nicht Ausdruck dieser berüchtigten amerikanischen Oberflächlichkeit?
Nun ja, es stehen auch andere Sachen im Fokus einfach. Die Californier arbeiten weniger. Die können auch mal einen Sonntag einfach nur am Strand verbringen. Das habe ich während meiner Zeit dort sehr genossen. Ich kann Dir auch nicht bestätigen, dass alles in Amerika unbedingt oberflächlich sind. Ich hatte eher das Gefühl, dass wir diejenigen waren, die sich nicht gemeldet haben, aber die anderen eher am Ball blieben. Besonders in New York.

Kennst Du Models, die am Herd was können?
Sophie Dahl und Miranda Kerr haben was rausgebracht und ach die Momofuku-Plätzchen von Karlie Kloss gibt es da ja auch noch…Und ansonsten finde ich im Promikreis eigentlich das Kochbuch von Gwyneth Paltrow nicht schlecht.

Wie geht es bei Dir weiter?
Momentan kümmere ich mich um Ava, bringe mein Studium zuende und tüftle weiter fleißig an Rezepten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Morgen schenkt uns Hannah ein Rezept zum 3. Advent!
Fotocredits: Hannah’s Küche, 2013 ; The Jewels of New York

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