American Apparel Kampagne 2012

Mal ehrlich: Ist dieses Plakat angebracht angesichts der gerichtlichen Vorwürfe gegen das Unternehmen American Apparel?

Die unterirdischen Passagen der Metro in Paris sind derzeit mit Plakaten von American Apparel zugepappt. Mit welchsenden Motiven geht das Unternehmen darin auf den Claim „sweatshop-free-production“ ein. Zwei Sachen stören mich daran:

Erstens hat das Wirtschaftsmagazin BrandEins diesen Claim bereits im Jahr 2008 angezweifelt. Seitdem hat sich an der Produktionsstätte von American Apparel nichts verändert, wohl sind aber die Umsatzzahlen gestiegen, was darauf hinweist, dass es noch unglaubwürdiger ist, dass man in Downtown L.A. mit der Produktion für eine Weltweite Fashion Crowd nachkommt.

Zweitens stört mich das Motiv. Angesichts der Publik gewordenen Absurditäten rund um den Körperkult bei American Apparel – vom 70er-Jahre-Porno-Look des Chefs Dov Charney, über Beschwerden gegen den offensichtlich diskriminierenden Recruiting-Prozess für Store-Mitarbeiter bis hin zu Klagen wegen sexueller Belästigung, ist es da angebracht, halbnackte blutjunge Mädchen in sexy Gymnastikposen abzubilden? Eben.

Die flächendeckende Printwerbung soll wohl zur Wiederauflebungs-Strategie von Dov Charney gehören. Anfang Januar gab es bereits ein großes Tam-Tam um positive Umsatzzahlen im Online-und Offline-Geschäft. Allerdings waren diese  größtenteils einem internationalen Groupon-Deal zu verdanken. Da Groupon von dem reduzierten Verkaufspreis selbst meist 50% einbehält, dürfte dabei nicht viel für American Apparel übrig bleiben. Vor allem nicht, um die mehr als 160 Millionen Dollar Schulden in diesem Jahr zurückzuzahlen. Werbung mag vieles richten, aber wenn, dann bitte richtig.

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