Ab und zu sollte man sich mal aus der Comfort-Zone seines Kiezes (Mitte, I love you) heraus bewegen um Neues im Rest der eigenen Stadt zu entdecken. Für mich hieß das: der Westen. Da Kreuzberg die Szene und Neukölln das neue to-be bieten, bleibt good old Charlottenburg irgendwo zwischen 90er Jahre-In und viel zu schnöselig auf der Strecke. Gegen diesen Trend wehre ich mich aber vehement und werde ab jetzt auch mal was ganz Neues über den alten Bezirk bringen.

Anfangen werde ich mit dem Café SETSitzen Essen Trinken – in der Schlüterstraße 36 (eine Seitenstraße des Ku’damms – kommt schon Leute, den kennt ihr!). In lila-cream-himmelblau und braun überzeugt das Café mit süßen Details, wie der Bezug des Sofarückenpolstern, verspielten Kronleuchtern und einer schicken weißen Espressomaschine. Sauber, gemütlich und mal nicht so cool abgegammelt – dafür aber mit klassischem Fischgrätparkettboden und einem ecrue Barcelona Chair von Ludwig Mies van der Rohe im Eingang.

Zum Frühstück gibt’s Müsli mit Obst, Salate und Foccacias – ganz frisch und viel – oder selbst gemachte Kuchen (ich empfehle die Zitronentarte), wunderbar zum Nachmittagskaffee. Im Sommer unbedingt draußen genießen, auf dem breiten gepflasterten Bürgersteig sitzt es sich auf den einheitlich aussehenden Stühlen nämlich auch mal ganz gut ohne einen Blick auf Überreste von gestern Nacht. Der ältere Herr im reinigungsfrischen Leinenanzug mit der FAZ wirkt nicht spießig, sondern intellektuell wertvoller als so manch verschlafener Webdesigner – genauso wie ein gepflegtes blondes Model, das in neuer Etro-Pumphose aus Satin vorbeikommt und irgendwie doch mehr Stil hat als noch so eine muffige Vintage-Polyesterjacke von vor zwei Jahrzehnten.

Rückenpolster in Himbeerlila und Blau-weiss-gepunktet

Vorne rechte in ecru der Barcelona Chair

Vorne rechts: der Barcelona Chair

Die Preise sind auch wie im Rest Berlins ganz normal, mein Müsli gabs zum Beispiel für ca. 4,-Euro. über die Internetseite wird ein kleines Bead & Breakfast betrieben, ab 60,- Euro im Doppeltzimmer die Nacht bietet das für Freunde und Familie vielleicht mal eine Alternative zum Retro-Zimmer überm Dönerladen !?

Nett war’s und bis bald, mein liebes Charlöttchenburg, ich komme wieder – denn ich glaube du hast noch so einiges zu bieten!