Fondation Louis Vuitton

Fondation Louis Vuitton

Am Montag eröffnete die Fondation Louis Vuitton, die von Stararchitekt Frank O. Gehry für LVMH-Gründer Bernard Arnault erbaute Stiftung für moderne Kunst im Pariser Stadtpark Bois de Boulogne für jedermann ihre Pforten. Tausende von Gäste strömten zur neuen Kulturattraktion. Zur zeremoniellen Eröffnung durch Präsident Francois Hollande und auch während der SS 2015- Show von Louis Vuitton gab es lediglich den Bau – die Sammlung und Wechselausstellung zogen erst am vergangenen Wochenende ein.

The Random Noise war für Euch vor Ort!

Das Gebäude

Der imposante Bau der Fondation entspringt der Feder von Frank O. Gehry. Erzählungen nach soll Bernard Arnault ihm die Umsetzung seines Traumes einer Stiftung anvertraut haben, als er das durch Gehry erbaute Guggenheim Museum in Bilbao sah. Das Resultat ist ein Gebilde, das wahlweise als „Wolke“ oder „Schiff“ bezeichnet wird, wobei letzteres der offiziellen Deutung entspricht. Als Schiff reiht es sich natürlich nahtlos in das zentrale Markenthema von Louis Vuitton ein – der Reise. Und auch in vielen anderen Dimensionen erkennt man, dass das neue Kulturzentrum irgendwie ins Universum von LVMH hineinpasst.

Läuft man von der Metrostation Les Sablons aus in den Stadtpark Bois de Boulogne hinein, sieht man lange das Gebäude nicht – bis es auf einmal aus dem Nichts vor einem in den Himmel ragt. Wasser plätschert durch einen Stufenwasserfall ebenmäßig hinab in eine Art Kanal am untersten Teil des Gebäudes, der „Grotte“, wo Olafur Eliasson einen perspektivischen Garten aus dreieckigen Spiegelsäulen ausstellt. Die Art und Weise, wie das Gebäude gebaut wurde, entfremdet übliche Formen von Wänden und Dach. Vielmehr umhüllen zwiebelartige Schichten in Glassegeln das Innere. Innen- sowie Außenraum zeichnen sich durch eine edle Farbgebung in den dezenten (Luxus-)farben elfenbein (Wände), beige-rosé (Sandstein), dunkelblond (Holz) und silber (Stahl) aus.

Dennoch ist das Innenleben der Fondation auch ein Kontrast zum exzentrischen Außenbau. Die Räume sind – im Gegensatz zu anderen Gehry-Bauten – gerade. Die Eingangshalle wirkt beinahe unauffällig und vergleichsweise unterdimensioniert; die Gallerieräume sind pragmatisch rechteckig und lassen einen schnell vergessen, wo man sich eigentlich befindet. Ein bisschen erinnert dies an das Management der Modekollektionen: Träume und Beeindruckendes zu schaffen, ist wichtig, aber die Mode darf ihren Zweck nicht verfehlen, muss tragbar, muss nutzbar sein.  „Mode existiert nicht, wenn sie es nicht bis auf die Straße schafft.“, sagte Yves Saint Laurent. Und ebenso braucht die Stiftung ein wandelbar als Ausstellungsfläche nutzbares Innenleben.

Die Sammlung

Für den zukünftigen inhaltlichen Erfolg und das Ansehen des Fondation wird Suzanne Pagé verantwortlich sein. Zuvor kümmerte sie sich um die Ausstellungen des Pariser Museums für moderne Kunst.  Sie schreibt: „Der sehr elastische Umfang der Berufung oder Aufgabe [der Fondation] wird durch ihre Nähe zur Kreativität bestimmt. Hinzu kommt eine kontinuierliche internationale Expansion über physische, intellektuelle und sinnliche Grenzen hinweg, die darauf achtet, ihre Vergangenheit nicht zu ignorieren.“ Es geht also um eine kreative Reise in die Zukunft, die Innovation nicht scheut, aber den point de départ, seine Wurzeln und Ausgangspunkt, nicht außer Acht lässt. Genau das Konzept, dass auch die Marke Louis Vuitton mit seinem zentralem Thema, der Reise, verfolgt und welches in Gewisser Weise bereits Leitmotif fast aller traditioneller Luxusmarken ist.

Der Einzug der Kunst in der Fondation erfolgt in drei Eröffnungs-Etappen, die sich Hang 1, Hang 2 und Hang 3 nennen. In der Phase Hang 1 (24. Oktober – 24. November)  steht erst einmal der Bau im Vordergrund. Künstlerin Sarah Morris zeigt in einem zwischen Dokumentation und Imagefilm schwankenden Werk die Inspirationswelt, den Schaffungsprozess und den geographischen und soziologischen Kontext der Fondation. Man sieht Dior Parfumflakons in der Fabrik, knallende Champagnerkorken, aber auch die leuchtenden Absätze der Putes im Bois de Boulogne.

Oliver Beer konzipierte die Sound-Performance „Composition for hearing an architectural space“, die die Vibration des Baus kurz unter dem „Dach“ zum Vorschein bringen soll.  Man kommt in einen Raum, in denen drei Männer, die recht normal ausschauen und auch so gekleidet sind  Ecken gedrängt stehen, das Gesicht und den Körper eng an die Wand gepresst. Und dann singen sie. Abstrakte Töne, die das Raumvolumen voll ausschöpfen. Fünf Minuten lang.

Gerhard Richter hing seine in der zentral gelegenen Gallerie 5 überwiegend Bilder mit Natur als Sujet – in Form von Waldmotiven, Vegetation, Wild und Horizont. Um Natur geht es auch in dem Newcomer-Kunstwerk von Adrián Villar Rojas, einer Geröllmasse, die im Jahr 2050 als archäologischer Fund durchgehen könnte (Knochen treffen auf Gemüsereste und Nike-Turnschuhe). Er nennt es „Where the slaves live“.

Hinzu kommen Wechselausstellungen sowie Live-Performances, wie zum Beispiel einige Kraftwerk-Konzerte diesen November (Daus Auditorium ist passenderweise schon von Elsworth Kelly Regenbogenfarben angemalt).

So what? Konzept & Zukunft

Mit Hang 2 und Hang 3 wird der kreative Horizont ab Dezember diesen Jahres dann Stück für Stück erweitert, wobei der Schwerpunkt immer weniger auf das Gebäude und seinem Entstehungsprozess gerichtet sein wird. Auf dem künftigen Programm stehen unter anderem eine Performance von Olafur Eliasson, Andreas Gursky und Douglas Gordon sowie die kreative Gestaltung des Weges von der Metro zum Eingang durch Daniel Buren.

Was die Sammlung und künstlerischen Aktivitäten angeht, wird sich die Fondation gegen etablierte Institutionen behaupten müssen. Der Vergleich zum Guggenheim Museum in Bilbao liegt durch den Moment der Inspiration für den Bau nahe. In der Kulturlandschaft Paris selbst wird die Fondation Louis Vuitton mit der bereits seit 30 Jahren existierenden und bestens angesehenen Fondation Cartier mithalten müssen und auch mit dem Centre Pompidou.  Hinzu kommt, dem Gebäude in seinem Alterungsprozess im Bois de Boulogne zu beobachten. Wie blickt man auch Glas und Stahl in 20, 30 Jahren?

Über all das lässt sich natürlich ebenso wild spekulieren, wie über die Motive des einflussreichen Franzosen Arnault (was die internationale Presse selbstverständlich in allem Umfang auch tut) in seinem Unterfangen. Fest steht, dass Paris mit der Fondation Louis Vuitton einen weiteren Ort hat, an dem international stattfindende Kreativität anerkannt und geachtet wird.

Fondation Louis Vuitton, Paris. Bis zum 2. November täglich geöffnet von 10h-20h (Freitags bis 23Uhr)

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Frank Gehry entwarf diesen kleinen LV-Koffer - man kann ihn im Museums-shop kaufen

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Fondation Louis Vuitton

Rose II von Isa Genzken - Fondation Louis Vuitton

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Wintour, Gehry und Lagerfeld bei der Einweihung der Fondation am 20. Oktober

Frank Gehry, Francois Hollande und Bernard Arnault am 20. Oktober

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Olafur Eliasson - Inside the horizon © 2014 Olafur Eliasson © Iwan Baan

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Thomas Schutte - Mann im Matsch © ADAGP © Fondation Louis Vuitton Marc Domage 2014

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Hello?! 'Dial a poem' von John Giorno

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Fondation Louis Vuitton

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Bilder: (c) ADAGP, Paris Oct 2014; Iwan Baan Oct 2014; Tana-Maria Schächtele

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