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Self portrait, London 2015 © Juergen Teller

Juergen Teller hat das geschafft, was in Zeiten von einem Überfluss an Bildern und Fotografie nur schwer gelingt: er hat einen ganz bestimmten Stil für sich in Anspruch genommen und steht seit über zwei Jahrzehnten dafür. Seine Bilder sind nah, echt, intuitiv, unmittelbar und direkt. Sie haben eine gewisse Beiläufigkeit und bringen gleichzeitig eine Emotion, einen gewissen Moment ganz konkret auf den Punkt.

Er komm aus einer Zeit, in der perfekte, posierte und glossy Fotografien gefragt waren und das direkte Bild von Handykameras noch nicht existierte. In London verhalf ihm das 1991 zum Durchbruch, als er die Band Nirvana auf ihrer ersten Nevermind Tour begleitete und bewegende Portraits von Frontman Kurt Cobain einfing.

Juergen Tellers Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Kommerz, doch auch bei kommerziellen Projekten ist er genau für seinen Stil gefragt, der stets mit einer bewussten Distanz zum klassischen Glamour der Mode spielt, wie in den Kampagnen für Marc Jacobs oder Louis Vuitton.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau legt den Fokus allerdings ganz bewusst auf seine künstlerischen Arbeiten. „Was mich letztlich einzig und allein interessiert, ist die Interaktion zwischen zwei Menschen. Einer von denen bin ich, der Fotograf. Und wenn mich diese Begegnungen berühren, dann ist es gut“ so Teller. Diese Interaktion mit dem Fotograf hat er ebenfalls humorvoll und wieder sehr direkt mit seinem Nachnamen in seinen jüngsten Arbeiten visualisiert: mit Tellern. Fotografien auf Tellern, der Teller als Objekt, der XXL-Teller als Leinwand, als kleine Bühne für den nackten Lars Eidinger.

Spontanität zeigte er auch bei den Bildern, die im größten Raum der Ausstellung zu sehen sind. Das Shooting in einer Hanftplantage sollte ursprünglich mit Rihanna geshootet werden, als diese nicht kam, entstand eine ganz eigene, spontane Strecke mit den fast tropisch anmutenden Bildern. Andere Prominente wissen um den Reiz eines Teller Bildes. Kim Kardashian und Kanye West zum Beispiel, die sich für eine Strecke mit dem Fotograf trafen und Kim spontan auf einem Erdhügel sexy posierte. Fast schon ironisch, wie ich finde, geht sie für das Bild des Künstlers in die Knie und beugt sich für das nicht glossy Bild zum Zwecke der Kunst.

Doch bei Teller geht es genau um den neuen, frischen Blick auf’s Leben, das Schöne in der Beiläufigkeit, eine Direktheit, die doch so schön menschlich ist – oder kurz gesagt: das Leben, wie es ist, und wie wir es genießen sollen. In diesem Sinne: Enjoy your life!

JUERGEN TELLER – ENJOY YOUR LIFE!

20. April bis 3. Juli 2017

Martin-Gropius-Bau | Niederkirchnerstraße 7 | 10963 Berlin

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Charlotte Rampling, a Fox, and a Plate No.15, Latimer Road, London 2016 © Juergen Teller

 

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Kanye, Juergen & Kim, No.70, Chateau d’Ambleville 2015 © Juergen Teller

 

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Self-portrait, Plates/Teller, No.175, 2016 © Juergen Teller

 

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Eva Herzigova, Mit dem Teller nach Bonn, No.3 2016 © Juergen Teller

 

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The Clinic No.146, 2015 © Juergen Teller

Fotos © Juergen Teller via Bundeskunsthalle Bonn