Brigitte Bardot & Gunter Sachs

Der Begriff Playboy ist heutzutage leider kein gutbesetzter Begriff mehr – ich zumindest verbinde damit chauvinistische Proleten, die weder Stil noch Style haben. Doch es gab andere Zeiten, in denen Playboy ein ehrfürchtiger Begriff war, der für einen spielerischen, aber stilvollen Umgang mit Frauen stand; der einen Mann repräsentierte, den man mit Stolz bewundern konnte. Zu ihnen zählte auch Gunter Sachs, angefangen als deutscher Industriellensohn und Unternehmer, galt er in den 1960ern als einer der großen Playboys – berechtigt. Er war es, der St.Tropez zum Edelstädtchen machte, der mit der vergötterten Brigitte Bardot zusammen war, der in London, New York, St. Moritz mit seinen Freunden Andy Warhol, Yves Klein, Salvador Dali oder Roy Lichtenstein Ausstellungen und glamouröse Partys feierte und nicht zuletzt später selbst Fotograf, Kunstsammler und Dokumentarfilmer wurde.

Wie er es immer wieder geschaffte hat den Frauen die ersehnte Portion Romantik zu geben und gleichzeitig das zu bekommen was er wollte, kann man in seiner Biografie Mein Leben nachlesen. So erzählt er dort, wie er für Brigitte Bardot einmal ihre Villa mit hunderten brennenden Kerzen schmückte, von denen er einige vor ihren Augen mit einem Gewehr ausschoss. Oder er flog mit dem Hubschrauber über seine Liebste, die am Strand saß und warf ihr hunderte Rosenblätter zu. Zum Abstieg ließ er anschließend zuerst seine zwei Louis Vuitton-Koffer ins Meer werfen, sprang dann selbst hinterher und schwamm zum Strand. Und nachdem er sich mit Brigitte & Co ausgelebt hatte, lernte er seine Frau kennen, heiratete sie, war mit ihr bis zu seinem Lebensende mehr als 40 Jahre zusammen.

Auch wenn es sich ähnlich anhört, das war nicht Kitsch wie in „Nur die Liebe zählt“ oder ein Matcho-Getue. Er war ein lebender James Bond, ein Mann der dafür lebte männlich zu sein, der für die Entzückung der Frau mit dem Risiko spielte. Zwar kokettierte er mit einem spielerischen Image beim Werben um das andere Geschlecht, verzichtete aber auf Statussymbole, denn in ihm steckte viel mehr: Persönlichkeit, Intelligenz, wahrer Charme und eine Ehrlichkeit zu sich selbst. Auf die Frage, warum es heutzutage keine Playboys dieses Stils mehr gäbe, sagte er 2007:

„Wenn es sie noch gäbe, sie hätten keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft. Damals waren es glanzvolle Typen. Es waren nicht viele, aber die waren beliebt in New York, in Paris. Es war natürlich etwas anderes, aus einer guten Familie zu kommen, mehrere Sprachen sprechend, international zu sein – und dann einen Ferrari zu haben. Heute hat jeder einen Ferrari, aber nicht mehr die Erziehung. Also, es geht nicht mehr.“

Am Wochenende ist er nun von uns gegangen, ein Frauenversteher, Gentleman, Held, Künstler, Ästhet, Lebemann und noch viel mehr. Aber man kann wohl sagen, dass er in seinem Leben all das mitgenommen hat, was man hätte rausholen können, wenn nicht sogar immer noch ein bisschen mehr. So prägte er nicht nur eine Szene, eine Generation, eine Zeit, sondern einen Begriff, den wohl niemand mehr so ehrenvoll, würdig und echt zu tragen vermag.

Brigitte Bardot & Gunter Sachs

Gunter Sachs von Andy Warhol

Brigitte Bardot & Gunter Sachs

Brigitte Bardot & Gunter Sachs

Gunter Sachs & Andy Warhol

Brigitte Bardot & Gunter Sachs

Brigitte Bardot & Gunter Sachs