Styling für Mongrels in Common // Aveda's Artistic Director Bastian Casaretto

Im Aveda Spa & Salon am Ku’damm begrüßt mich vor ein paar Wochen Bastian Casaretto. Er hat als Friseur das Handwerk von der Pike auf gelernt und ist mittlerweile Artistic Director von der grünen Beautymarke. Vor unserem Interview gibt es eine kleine Führung: Vom Shop im Erdgeschoss geht es über die Treppe in den Salon. Hier arbeiten Friseure, Coloristen und Stylisten. Einen Blick in den abgetrennten Massage-Bereich, einen zweiten in das große Ausbildungszentrum im 4.Obergeschoss und schließlich einen heißen Aveda-Tee auf dem sonnigen Balkon mit Blick über den Ku’damm. So entspannt habe ich selten ein Interview angefangen und so sprachen wir über Beauty-Trends, den Stil der Russinnen und den Arbeitstag auf der Fashion Week.

The Random Noise: Was sind deine Aufgaben als Artistic Director bei Aveda?
Bastian Casaretto: Eigentlich bin ich gelernter Friseur und mache das seit über 20 Jahren wahnsinnig gerne, für mich gibt es keinen schöneren Job. Was dazu kommt, ist, dass ich für die Marke verantwortlich bin, also den Auftritt in Deutschland, Österreich, Schweiz und Europa. Zusätzlich kümmere ich mich um das Netzwerk, also Schulungen, die Aufträge für die Fashion Weeks oder Fotoshootings für die Marke.

Auch auf der Berliner Fashion Week arbeiten Du und das Aveda-Team für einige Labels. Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Designern genau aus?
Genau, jedes Jahr unterstützen wir ca. zehn Designer. Diese melden sich so drei bis vier Monate im voraus, wenn die ersten Ideen stehen und sie mir die ersten Materialien zeigen können. Bei einem Glas Wein erzählen sie mir dann erstmal von den Grundzügen der Kollektion. Das höre ich mir an und überlege, wie ich den Look des Designers unterstützen kann. Denn ich möchte nicht zeigen, wie toll wir sind, sondern es geht darum ein einheitliches Bild umzusetzen. Seit ca. einem Jahr machen wir nicht nur Haare, sondern auch Make up – so lässt sich noch konzeptueller arbeiten, das ist sehr toll.

Backstage bei der Show vom Green Showroom

Wie sieht dann ein Tag während der Fashion Week bei Dir aus?
Ich habe ein Team von 15 Leuten, mit denen ich seit gut zwei Jahren zusammen arbeite und wir uns ständig weiterschulen. Meine Aufgabe als Lead-Stylist ist es, die Idee mit den Designern bereits im Voraus auszuarbeiten und einen Tag vor der Show mit den anderen Stylisten durchzugehen. Dann fängt mein stressiger Tag an: Zwischen 5 Uhr und 6 Uhr morgens geht es zum ersten Set, denn mit Aveda sind wir nicht im Zelt, sondern immer in tollen Off-Locations. Vor Ort treffe ich mich mit dem Team, mache den geplanten Look vor, damit die anderen sehen können, wie es umgesetzt wird, und probiere so lange wie möglich vor Ort zu bleiben. Dann fahr ich zur nächsten Show, treffe dort das Team, mache einen Look vor usw. Mit jedem Designer gibt es auch noch eine Look-Besprechung für die Presse. Wir drehen für sie und die Kunden einen kleinen Step-by-Step Film. Dann fahre ich wieder weiter und so schafft man bis zu vier Shows am Tag. Die Hauptarbeit ist aber ganz klar im Voraus und vor Ort braucht man einfach eine gute Planung.

Wie perfektionistisch bist Du bei deiner Arbeit, besonders wenn es um Shows und Fotoshootings geht?
Eine gute Frage, das ist schrecklich! Das war mein größter Lerneffekt über die letzten Jahre. Man muss abgeben, denn es gehört dazu, dass man nicht mehr alles selber machen kann. Man muss sich mit den Leuten zusammen setzten und sehr praktisch einfach die Ideen durchgehen. Man muss Vertrauen in die Anderen setzten, die das Handwerk ja genauso gelernt haben und mit genauso viel Herzblut dabei sind. Mit einem guten Team, Teamspirit und dann noch einer tollen Marke, geht das aber eigentlich sehr gut.

Styling für die Show von Frida Weyer

Wie entwickelst Du konkret neue Looks ?
Wie bei der Mode eigentlich in Saisons, denn es ist sehr stark davon geprägt, was auf  einen einwirkt. Du gehst im Frühling durch die Natur, die sich offensichtlich verändert. Du kriegst neue Farben, es wird alles leichter. Genauso wie in der Mode: dort verändern sich auch die Kollektionen, die Stoffe, die Fotostrecken und so automatisch auch die Haare.

Ich lasse mich von allem möglichen inspirieren. Ich liebe Magazine und kaufe, egal wo ich auf der Welt bin, ständig Zeitschriften. Ich habe das Glück durch Aveda viel reisen zu können und versuche manchmal einfach nur einen halben Tag in einem Café zu sitzen und die Kids im Straßenleben anzugucken, um heraus zu finden, wie die sich aktuell auf dem Kopf oder am Körper kleiden. Und natürlich Architektur oder Museen. Es fängt oft damit an, dass ich über eine Form nachdenke und wie diese mit dem Material Haar umgesetzt werden kann.

Bei der Show von Mongrels in Common letzten Sommer beispielsweise war das Thema „Mods and Baseball“. Was kann ich da machen mit den Haaren? Mir fielen Baseball-Kappen ein und so kam mir die Idee, Kappen aus Haaren zu machen! Die Haarsträhnen hab ich angefangen zu legen und geguckt, wie sie auf die Form passen. Oder jetzt im Januar bei Sava Nald sagte die Designerin: ich hätte gerne, dass die Frisur ein Hingucker ist, aber trotzdem streng bleibt. Eines Sonntagmorgens läuft zufällig die „Sendung mit der Maus“, in der Kindern erklärt wird, wie Taue gesponnen werden, an denen sie in der Schule heraufklettert müssen. Dann kam die Idee: Warum mache ich nicht Taue aus Haaren? Ich habe so also einen dicken Zopf geflochten und der wurde dann in der Show genutzt. So kommen Inspirationen und es ist wichtig, dass man sich selbst darin nicht einschränken lässt. Prinzipiell sage ich: geht nicht, gibt’s nicht. Alles versuchen, um es machbar zu machen.

Backstage: Franziska Knuppe für Sava Nald

Fällt Dir durch deine vielen Reisen auch ein kultureller Unterschied beim Thema Styling auf?
Durch die Globalisierung der Marken hat man schon viele Trends, die gleichzeitig auftauchen. Was schön ist, ist dass sie überall anders ausgelegt werden. Neulich war ich in Moskau, da ist alles etwas eleganter. Dort habe ich viele coole Looks auf der Straße gesehen. Obwohl noch Schnee lag, waren viele in Higheels und richtig gute Looks von Kopf bis Fuß. Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Wenn du dann nach Berlin kommst, ist alles etwas mehr Grunge. Schnell die Haare zusammen gemacht und abends dann einfach nur offen tragen. Und es kommen hier doch mehr die Turnschuhe heraus. In Paris, meiner persönlichen Lieblingsstadt, kombiniert die Frau einfach alles. Einen Tick Eleganz aus Moskau, eine Couture-Jacke zur Jeans und verwuschelten Haaren zum Beispiel. So hat jede Stadt ihr eigenes Flair.

Was können wir in diesem Sommer für Trends erwarten?
Für den Sommer hat aus meiner Sicht alles etwas mehr Struktur, also weniger Glätteisen und mehr Natürlichkeit. Ich würde fast sagen eine veredelte Version der 90ern. Du hast keinen Grunge, aber die Bewegung von Grunge im Glänzenden. Man föhnt die Haare und nutzt die Finger als Bürste oder nimmt einen Lockenstab. Oder über Nacht flechtet man sich einen Zopf und holt so die Struktur am nächsten Tag heraus. Die Haare liegen nicht zu sehr am Gesicht an, sondern haben mehr Volumen und Struktur.

Gibt es jemanden, mit dem Du persönlich gerne einmal zusammen arbeiten würdest?
Oh, da kann ich glücklicherweise sagen, dass ich das schon habe: Lily Cole. Sie hat nicht nur wahnsinnig tolle Haare, die sie so wandelbar machen, wenn sie zwischen Kupfer, Blond, fast manchmal Gelbblond. Wechselt. Sie trifft es immer ziemlich genau, was momentan stimmig zu ihrem Typ passt. Mit ihr gearbeitet habe ich vor knapp zwei Jahren hier in Berlin für den Triumph -Award.

Styling für die Show von Frida Weyer

Hast Du ein paar Geheim-Tipps in puncto Haare?
Ich bin im Friseursalon groß geworden, daher mal meine Top 4:

1. Immer einen Conditioner verwenden und nicht am Ansatz, nur in die Länge und in die Spitzen geben!

2. Jede Kur kann auch über Nacht einwirken oder am Strand. Hitze ist ein Katalysator, das heißt, wenn ich eine Kur in die Haare mache und mich dann in die Sonne lege, wirkt die Kur doppelt so stark ein und schützt zusätzlich vor Chlor- oder Salzwasser. Einfach die Kur in die Haaren geben, einen Zopf machen und von der Sonne pflegen lassen.

3. Mein Lieblingstipp ist für fliegende kleine Haare: Nach dem Haareföhnen, stehen manchmal kleine Härchen am Ansatz ab. Man nimmt eine Serviette, gibt etwas Haarspray darauf und ebnet mit dem leichten Stoff die Haare. So wird das Volumen nicht durch den Druck der Hand platt gedrückt.

4. Der letzte Tipp: Wenn man sich zu Hause für ein etwas aufwendigeres Styling föhnt, ist es am besten Vorne anzufangen. Wenn man hinten beginnt, sind die Arme manchmal schön müde, wenn man zum wichtigen Teil kommt. Also von Vorne über die Seiten nach Hinten gehen.

Seit fünf Jahren arbeitest Du nun für Aveda. Was ist deiner Meinung nach das Besondere an der Marke und dem Salon hier?
Zum einen finde ich, haben wir ganz tolle Friseure, die für uns arbeiten, die sich auch wirklich mit der Marke auseinander setzen. Aveda an sich finde ich großartig, weil sie sehr gut ins 21.Jahrhundert passt mit dem Konzept der Nachhaltigkeit. Wir legen Wert darauf, dass unsere Inhalttstoffe und auch die Verpackungen abbaubar und recycelbar sind. Diesen Gedanken setzt die Marke stark durch und wurde zum Beispiel dafür mit dem Cradle to Cradle Award ausgezeichnet, dass zur Zeit relativ wenige Beauty-Firmen haben. Zusätzlich haben wir es geschafft in den letzten 8 bis 5 Jahren nicht nur eine Marke mit grünem Bewusstsein zu sein und auch einen Lifestyle zu gegeben. Und das drückt auch der Aveda Store hier aus. Wenn ich an vor 15 Jahren denke, bedeutete damals grün gleich Bio-Latschen. Wenn man hier auf dem  Ku’damm reinkommt, zeigt nicht nur die Lokalität, dass es nichts mehr mit dem alten Bild von Öko zu tun hat, sondern ein grüner Lifestyle, der ökologisches Bewusstsein und Stil verbindet.

Models bei der Show vom Green Showroom

Foto von Mongrels in Commone: Kiki Albrecht / The Random Noise
Alle anderen Fotos © Caroline Scharff

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