Carolin Dunkel 2

1. April 2016 – Carolin Dunkel feiert nicht nur ihren Geburtstag, sondern erfüllte sich auch einen Traum und eröffnet nach monatelanger, harter Arbeit ihren ersten eigenen Laden: den April Frist Store in der Auguststraße 77 in Berlin-Mitte. Wie sie dazu kam und was das Geheimnis eines erfolgreichen Ladens ist, verrät sie im Interview mit The Random Noise. Und bevor es losgeht: unbedingt für Neuheiten und Inspiration dem April First Instagramaccount folgen.

Zum Interview:

Liebe Carolin. Herzlichen Glückwunsch nochmals zu deinem wunderschönen Store April First. Erzähle uns kurz von deinem beruflichen Werdegang, der dich zu einem Modestore in Berlin gebracht hat.

Die letzten zehn Jahre habe ich in diversen Unternehmen quer durch die Medien- und Modebranche gearbeitet. Angefangen hat alles als Praktikantin bei Print Magazinen, MTV Networks und Universal Music. Dann ging es 2009 für 8 Monate zu Hugo Boss nach New York. In 2012 habe ich noch einen Master an der TU Berlin in Medienwissenschaft absolviert. Da ich aber von New York noch immer fasziniert war, bin ich 2013 wieder zurück und habe dort für Manon von Gerkans Fine Jewelry Label gearbeitet, der Tochter des bekannten Architekten Meinhard von Gerkan.

Der Schlüsselmoment, einen eigenen Store zu eröffnen, war dann vor genau einem Jahr, als ich als Projekt Managerin in einer Interior Agentur tätig war. Ich habe meinen Job gekündigt, ein Konzept geschrieben und von da an Tag und Nacht an meinem Traum gearbeitet. Am Anfang habe ich nur meine Familie und die engsten Freunde eingeweiht. Ich glaube das war auch besser so, sonst hätte mir vermutlich jeder davon abgeraten, heutzutage einen Modestore zu eröffnen.

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In Berlin gibt es zum einen bereits viele Concept-Stores, außerdem sind andere Städte wie Hamburg oder Frankfurt auch von der Kaufkraft besser aufgestellt. Warum hast du dich trotzdem für Berlin und einen Laden in der Auguststraße in Mitte entschieden?

Berlin ist meine zweite Heimat und daher musste ich mich nicht wirklich entscheiden. Außerdem habe ich hier meine Freunde und mein „Netzwerk“, was mir jetzt auch endlich zugute kommt. Die vielen Jahre im Berliner Tag- und Nachtleben zahlen sich nun endlich aus. Vielleicht wären Hamburg, Düsseldorf oder München dankbarer was die Masse an kaufkräftigen Kunden betrifft, wobei ich mich bislang nicht beklagen kann. Jeden Tag kommen tolle Frauen in den Store, die in allen Preiskategorien einkaufen. Ich denke, wenn man seine Kunden ganz gezielt anspricht und das Konzept stimmt, dann kann man fast überall Erfolg haben.

Wer ist die Kundin von April Frist?

Frauen, die Mode als Leidenschaft sehen, gerne ihre Weiblichkeit zeigen und nach dem Besonderen suchen, das oft auch im Einfachen liegt. Im Prinzip bin ich meine beste Kundin, denn es gibt nichts im Store, das ich nicht selbst tragen würde.

Welche Labels hast du im Laden und worauf achtest du bei der Auswahl?

Preislich bewegen sich die Marken im Premium bis Contemporary Preissegment, das heißt im Durchschnitt zwischen 100-500 Euro, mit Ausnahmen von Lederjacken für ca. 1.000 Euro.

Von Kleidung über Schuhe, Taschen, Accessoires bis hin zu kleinen Einrichtungsartikel und Kosmetika führe ich alles, allerdings nur in limitierter Auflage. Bei einigen Marken bin ich bislang noch die Einzige in Deutschland, die diese im Handel führt. Dazu zählen Ulla Johnson aus New York, I Love Mr. Mittens aus Australien oder auch Coqui Coqui Parfums aus Tulum. Andere Labels wie Hironaé Paris, Mes Demoiselles, M.i.h Jeans, Mother, Equipment, Lost Property of London Bags, See by Chloé uvm. ergänzen sich dazu perfekt.

Ich lege Wert auf Qualität und Produktionsstätte. Ich folge nicht immer dem Mainstream, sondern blicke auch gerne in den „Hinterhof“. Daher auch die Leidenschaft zu neuen, zum Teil in Deutschland noch unbekannten Marken und Produkten. Meine Auswahl treffe ich aus voller Überzeugung und mit viel Herz. Eine Frage, die ich mir immer zuerst stelle, wenn ich ein neues Label kennenlerne: Passt es in mein Konzept, ist es preislich vertretbar und ist es ein Produkt, das man nicht überall erwerben kann?

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Wie bist du auf die Marken in deinem Laden gestoßen und wo findest du neue Labels?

Die meisten Marken trage ich privat schon seit einigen Jahren. Demzufolge war die Wahl für mich relativ einfach. Ein paar neue Labels fand ich auf Instagram, Messen oder durch meine New York Aufenthalte. Oftmals kenne ich die Besitzer oder Inhaber der Labels persönlich, was sowohl die emotionale Bindung zum Produkt, als auch den Verkauf vereinfacht, da ich zu jedem Produkt eine kleine Geschichte erzählen kann. Besonders in Zeiten von E-Commerce ist es wichtig und schön, wenn man seinen Kunden etwas zu den Marken erzählen kann, erst recht, wenn es manchmal darum geht, den Preis des Produktes zu rechtfertigen.

Du bist auch für das gesamte Interieur des Ladens verantwortlich, das unheimlich geschmackvoll und gelungen ist. Nach welchen Kriterien hast du den Laden eingerichtet?

Mir war es wichtig, den ursprünglichen Charakter des Hauses, passend zur geschichtsträchtigen Ecke, zu erhalten. Als ich den Laden übernahm, ähnelte dieser nicht ansatzweise dem Jetzigen. Ich konnte es mir nicht verkneifen ein Fotobuch vom Tag der Besichtigung bis zur Fertigstellung zu erstellen. Wenn man nicht sieht, wie es früher einmal aussah, glaubt keiner wie viel Arbeit dahinter steckt. „Du hattest aber sehr viel Phantasie” bekomme ich nicht selten von meinen Kunden zu hören, wenn sie einen Blick ins Buch werfen. Denn ob Stuck, Eichenfußboden im Fischgrätmuster, Elektrik oder Heizung – alles wurde komplett umgebaut, nach meinen Wünschen verändert und nach Maß angefertigt. So wurden zum Beispiel der Marmortresen und die Marmortreppe, die Kleiderbügel und Messingständer von mir vorgezeichnet und entworfen und letztendlich vom Tischler bzw. Schlosser erbaut.

Ich denke der Unique Selling Point von April First ist das Gesamtkonzept. Ich habe nichts dem Zufall überlassen, sei es bei der Ladeneinrichtung, die sicher ein ganz entscheidender Faktor ist, oder den Produkten selbst. Ich habe zum Teil Nächte lang recherchiert, um eine passende Tapete für die Umkleiden zu finden oder wie man die langweiligen Lichtschienen elegant verkleiden kann. Und genau das schätzen schon jetzt die Kunden, die in den Store kommen. Sie sehen die Liebe zum Detail. Da haben selbst mein Türstopper und die Visitenkartenunterlage eine Geschichte.

Welche Frauen sind für dich als Einkäuferin eines Labels in puncto Mode und Trends stilprägend und Stilvorbilder?

Ich habe nicht wirklich Vorbilder, aber ich liebe den Stil von Rosie Huntington-Whiteley und Hedvig Opshaug. Der Mix zwischen Lässigkeit und Chic stimmt bei beiden Ladys einfach immer.

Dein Geheimtipp für Inspiration?

Es gibt zwei Läden in New York, die mich sehr inspirieren. Das sind Warm und Love Adorned, beide befinden sich in Nolita. Da kann man immer wieder etwas Neues entdecken. Das möchte ich auch mit April First schaffen. Ich glaube, das Wichtigste ist heutzutage schnell zu reagieren, aufmerksam zu sein, Trends und andere Gegebenheiten genau zu beobachten und Kunden immer mit etwas Einzigartigem zu überraschen.

Deine ganz persönlichen Top 3 Lieblingsteile für den Sommer 2016?

Das Parfum Coco Coco von Coqui Coqui und die Kleider und Blusen von Mes Demoiselles und Ulla Johnson.

Vielen Dank liebe Carolin für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

April First Store
Mo. – Sa. 11h -19h
Auguststraße 77
10117 Berlin

Fotos © April First