Im Interview: Designerin Marina Hörmanseder

Auf der Berlin Fashion Week wurde viel über den Weggang der großen Marken geredet – über Hugo Boss, Escada, René Lezard oder Strenesse. Doch dies macht Platz für die jungen Talente der deutschen Modebranche und legt den Fokus auf innovative, neue Labels. Neben den festen Vertreter wie Kaviar Gauche oder Lala Berlin, die bereits Kollektionsjubiläen feiern, fand man im diesjährigen Schauenplan vorallem neue Namen. So auch Marina Hörmanseder, eine Österreicherin, die an der Berliner Esmod sowie im Atelier von Alexander McQueen lernte und mich bereits mit dem Lookbook ihrer Abschlusskollektion begeisterte.

Auf dem Runway dann ihre neue Kollektion: Skulpturelle Lederaccessoires gepaart mit langen Mänteln, weichen Stoffhosen und feinen Bodys. Der Stylist von Lady Gaga saß in der ersten Reihe, Sängerin Eve trägt bereits ihre Korsetts. Doch die Mode der jungen Designerin sieht nicht nach einmaligem Promi-Hype aus, sondern ist ein solider und gelungener Mix aus extravaganten Show-Pieces und hochwertigen, tragbaren Stücken.

Direkt nach ihrem Laufstegdebut treffe ich Marina für ein Interview. Mit ihrem wunderbaren österreichischen Akzent erzählt sie von ungewöhnlichen Inspirationen, der Herausforderung ein Unternehmen zu führen und den Stil ihres jungen Labels.

The Random Noise: Herzlichen Glückwunsch, eine gelungene Kollektion. Wie geht es dir gerade?
Marina Hörmanseder: Die Überwältigung ist enorm. Ich habe geweint, ich habe Gänsehaut, ich kann es nicht glauben. Momentan bin ich wirklich sprachlos und muss erstmal meine Nervenbündel zusammen suchen. Jetzt weiß ich: das ist das, was ich machen will.

Ein Element, dass sich immer wieder zeigte, waren Lederaccessoires und kleine Schnallen. Wie kamst du dazu?
Ich habe einfach angefangen mit Leder zu arbeiten, weil ich das Material liebe. Die Verarbeitung von dünnem als auch von dickerem Leder ist handwerklich toll. Im zweiten Jahr der Uni habe ich damit begonnen und habe es seither durchgezogen. Jetzt bin ich hier und die Schnalle ist nicht mehr wegzudenken.

Marina Hörmanseder Herbst/Winter 2014

Was ist das Thema dieser Kollektion für den Herbst/Winter 2014?
Bei meiner letzten Kollektion beschäftigte ich mich mit der Orthopädie und einzelnen Elementen davon. Ich bin beim menschlichen Körper geblieben, es gibt beispielsweise weiterhin Korsagen. Als neues Element ist das Gehirn dazu gekommen und ich habe probiert es mit Leder nachzumachen. Wenn man Leder nass macht, lässt es sich unglaublich schön formen. Zudem habe ich die Idee der Windungen des Gehirns in eine Stofflichkeit umgewandelt, denn ich habe schon den Anspruch auch Stücke zu kreieren, die tragbar sind. In meiner Recherche über das Gehirn, Falten und Faltengänge, habe ich dann auch noch die Nacktkatzen gefunden. Der Mantel aus dreidimensionalem Leder ist zum Beispiel an die Stirn dieser Katze angelehnt. Es macht mir irgendwie große Freude von Dingen inspiriert zu werden, die Andere erstmals als nicht schön empfinden und sehe es als meine Herausforderung diese Sachen in etwas Schönes zu interpretieren. Ob mir das gelingt, bleibt natürlich dem Publikum überlassen.

Der minutenlange Applaus spricht denke ich sehr für dich.
Ja, beim letzten Look, als es so laut wurde, da habe ich wirklich Tränen in den Augen gehabt.

Was war für dich die größte Herausforderung bei der Vorbereitung in den letzten Monaten?
Ein Unternehmen zu führen! Es war keine Diplomkollektion mehr, sondern unterlag der Führung einer Unternehmerin, also mir. Es warten tatsächlich Leute in der Früh auf mich, die Aufgaben haben wollen, mitzuhelfen und etwas lernen – dafür bin ich alleine verantwortlich. Man muss als Unternehmer agieren: herumreisen, um die entsprechenden Materialien zu finden, dann große  Mengen Stoff bestellen und man ist von Lieferterminen abhängig. Die komplette wirtschaftliche Seite und die Administration hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Auf der Uni wurde die Planung übernommen, doch jetzt ist es im Endeffekt eine One-Man-Show mit viel viel Hilfe von Freunden und Familie. Im Endeffekt ist man die Person, die die gesamte Verantwortung trägt und den Kopf hinhalten muss. Das war sicher die größte Herausforderung.

Marina Hörmanseder Herbst/Winter 2014

Du kommst aus Österreich, hast in London gearbeitet und in Berlin studiert. Warum hast Du dich für eine Show hier in Berlin entschieden?
Durch mein dreijähriges Studium an der Esmod, ist Berlin einfach meine Heimat geworden und ich wollte auf jeden Fall hier starten. Hier ist mein Netzwerk von Freunden und auch das der Mode, was unglaublich wichtig ist. Ohne das schafft man es glaube ich nur sehr schwer. Wenn man so viel Liebe und Schweiß in die Kollektion steckt, möchte man sie schon einem größeren Publikum präsentieren. Wien wäre mir – mit all meiner Liebe für diese Stadt – etwas zu klein, Paris eine Nummer zu groß. Für den deutschsprachigen Raum ist Berlin schon die beste Metropole.

Wie würdest Du den Stil deines Labels beschreiben?
Ich sage ganz gerne, dass es meine Wurzeln sehr gut verbindet. Es ist eine Kombination aus französischer Eleganz und österreichischem Handwerk. Es ist für mich absolute Mode und nicht Kostüm, ich sehe es eher als High-Fashion, aber wer es wie tragen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.

Marina Hörmanseder Herbst/Winter 2014

Hast Du bereits eine bestimmte Frau im Kopf, die Marina Hörmanseder trägt?
Ich erfreue mich an jeder Dame, die meine Mode trägt, aber ich denke eine gewisse Portion Selbstbewusstsein und ein Sinn für Extravaganz ist vielleicht wichtig. Dieser gewisse Esprit muss verstanden werden, wenn man einen eleganten Mantel trägt, der aber im Rücken die Lederschnallen und damit einen gewissen Fetisch-Touch hat.

Zwar ist die Show vorbei, Unternehmerin bist Du aber morgen auch noch. Was sind die nächsten Schritte?
Ja, das stimmt. Nun muss ich auswählen, welche Teile in Produktion gehen, damit ich auch etwas verkaufe. Durch mein Wirtschaftsstudium vor der Mode weiß ich: irgendwann muss die Absicht auf Gewinnerzielung vorhanden sein. Und das will man ja auch. Daher werde ich jetzt die Schritte einleiten, die vor der Show etwas im Hintergrund getreten sind: wie geht die Firma weiter, was und wo verkaufe ich und vor allem zu welchem Preis. Das sind Dinge, an die ich noch gar nicht gedacht hatte, aber die kommen jetzt alle.

Vielen Dank für das Interview! Derzeit könnt ihr auch beim Muuse x Vogue Talents für das Label Marina Hörmanseder abstimmen!

Marina Hörmanseder Herbst/Winter 2014

Fotos via Press

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