Bereits vor einiger Zeit angekündigt, kommt hier nun das fertige Interview mit David Buckingham. Der Pop-Artist aus L.A. ist einer der handverlesenen Künstler, die im Rahmen der Wrangler x Blue Bell Kooperationsreihe mit dem Jeanslabel zusammen arbeiten und die Inspiration für Kollektion und Kampagne bieten.

"Hung like Elvis" von David Buckingham

Wie es der Zufall so will, zeigte der Erste der Kunst-Paten Buckingham seine bunten poppigen Metallskulpturen erstmals in Europa in der Berliner Kit Schulte Galerie und so nutze ich die Chance, mit ihm über seine provokante Kunst und die Kooperation zu sprechen.

Etwas länger als gedacht hat es dann doch gedauert die Worte zu Papier zu bringen, da sich aus einem Interview ein langes und sehr amüsantes Gespräch über die Werbeindustrie – aus der Buckingham eigentlich kommt-, die Prägung der amerikanischen Kultur, das harte Arbeitsleben in New York, Kunst und Mode entwickelte.

Erst einmal willkommen in Berlin! Wie gefällt dir die Stadt und was hast du von ihr bisher sehen können? Ich liebe Berlin. Es ist das erste Mal, dass ich hier bin und ich freue mich die Stadt zu entdecken. Was genau ich gesehen habe, weiß ich nicht, denn ich bin stundenlang mit dem Fahrrad herumgefahren, ca. 30 Kilometer habe ich mich treiben lassen und habe allerhand Schönes entdeckt.

Wo bist du denn gestartet? Ich bin von hier (Schöneberg) einfach allein losgefahren. Ohne Stadtplan, ohne Reiseführer. Zuerst durch den Tiergarten, entlang der Spree, dann zum Brandenburger Tor, nach Mitte zum Lunch und schließlich entlang des Kanals bis ich in einer sehr vielfältigen, multikulturelle Gegend (Neukölln ist wohl gemeint) gelandet bin. Einen anderen Abend besuchte ich mit Freunden Clärchens Ballhaus. Ich war völlig hin uns weg: Frauen in Abendkleidern, mit auffälligem Make-Up und in High-Heels fuhren Fahrrad! Ich konnte es nicht glauben. Es war das Tollste was ich je gesehen habe!

Weil in Amerika fast niemand mit dem Fahrrad fährt? Ja, sehr wenig und schon gar nicht in hohen Schuhen und so herausgeputzt. Diese Frauen sahen aus als ob sie aus Limousinen aussteigen würden und eine Horde Paparazzis sie gleich ablichten will. In diesem Moment dachte ich nur: wow, was für eine Stadt!

"Hung like Elvis" von David Buckingham

Gibt es etwas Bestimmte das du in Berlin sehen möchtest? Alles! (lacht)

Nun gut, das ist nicht gerade spezifisch.. vielleicht ein Museum, eine Bar, ein typisches Ziel? Im Bode-Museum war ich bereits in der Botticelli Ausstellung und ich wollte mir noch weitere angucken, doch ein Freund rief an, ob ich mit im See schwimmen gehen wollte – und das ließ ich mir nicht entgehen! Es ist faszinierend was Berlin zu bieten hat: Natur, Seen und Flüsse dazu eine riesige vielfältigen Stadt, mit Kulturen, Clubs und tausenden Möglichkeiten sich auszuleben.

"Hung like Elvis" von David Buckingham

Was hat dich dazu bewegt deine Ausstellung „Hung like Elvis“ in Berlin als deine erste internationale Präsentation zu zeigen? Erst einmal wollte ich mit meiner guten Freundin Kit (Galeristen der Kit Schulte Galerie) zusammen arbeiten, die ich vor fünf Jahren in San Francisco kennen gelernt habe. Und zweitens ist Berlin aktuell die wohl interessanteste Kunststadt Europas. Und ich freue mich nun Teil davon zu sein.

Warum hast du den anrüchigen Titel „Hung like Elvis der Ausstellung gegeben? (Übersetzt heißt das soviel wie „behängt wie Elvis“, weist also auf eine besonders ausgeprägte Männlichkeit hin. Irgendwie typisch Mann, dachte ich mir) Jetzt machst du mir Schwierigkeiten (lacht).

Du hast deiner Kunst diesen Namen gegeben, ist doch selbstverständlich, dass man da nachfragt. Wenn das ein Familienmagazin wäre, dürfest du das nicht fragen (lacht). Nun ja, eigentlich bringt mich der Satz einfach nur zum Lachen. Ich ziehe keine Vergleiche, wer von uns beiden nun mehr in der Hose hat. Ich finde es einfach verdammt lustig!

Das ganz Gespräch über lacht er immer wieder laut auf und das Grinsen breitet sich auch bei mir auf dem Gesicht aus. So ein lockeres und lustiges Interview habe ich selten geführt.

"Hung like Elvis" von David Buckingham

Charakterisiert dieser Humor somit deine Kunst oder dich? Wohl eher mich. Meine Arbeiten sind nicht ernst, aber ich nehme meine Arbeit sehr ernst. Ich mache keine großen politischen Aussagen, ich mache Kunst die mich interessiert und die ich mir an die Wand hängen würde. Ich bin nicht unschuldig, daher ist es meine Kunst auch nicht. Entweder man mag mich oder eben nicht. Und die Leute, die ersteres tun, sind sehr begeistert. Ich tue es für mich, nicht für eine bestimmte Zielgruppe oder den Markt. Ich könnte mich sicher, wie es viele andere tun, mehr an der Nachfrage orientieren, aber ich bin der Meinung man muss das machen, was man für richtig empfindet.

Als ich das Zitat vom Film Pulp Ficton „English mother fucker, do you speak it?“ visualisierte, sagten die Leute zu mir, ich würde es nie verkaufen. Egal, dachte ich, denn ich mache es, weil es verdammt lustig ist. Und im Endeffekt habe ich es an einen Franzosen verkauft, der in die Galerie kam und sagte (nun imitiert er einen lauten Mann mit französischem Akzent):“Uh lala, English mother fucker,do you speak it? This is so so funny, because my employees say it to me. I buy this my office!“

Er versteht mich und hat keine Angst in sein Büro ein provokantes Kunstwerk zu hängen. Ich selbst habe keine meiner Werke bei mir hängen, nicht nur weil ich gerade erst umgezogen bin, ich muss die Stücke ja verkaufen, für neues Material, mein Leben und vielleicht mal einen Assistent.

Hier hat David ein Thema angeschnitten, über das wir lange redeten. Assistenten in der Kunstszene sind ganz normal, welche Aufgaben sie allerdings übernehmen und wie viel sie oder der Künstler selbst machen, lässt sich diskutieren.

"Hung like Elvis" von David Buckingham

Dein Grundmaterial für deine Kunst sind verwitterte Metalle, die du in der Wüste vor L.A. aufsammelst und die durch die Abgestandenheit ihre ganz eigene Farbigkeit entwickelt haben. Dann sägst du Teile aus und schweißt sie zu Wörtern oder Objekten zusammen. Ist Teil des vollendeten Kunstwerks auch der Schaffungsprozess? Absolut!

Warum hättest du dann gerne einen Assistent? Für die kleineren, nervigen Arbeiten. Eine Sache, die ich tausende Male gemacht habe, könnte ich auch an einen Assistent abgeben. Aber das ist eine gute Überlegung und interessante Hinterfragung. Ich denke, der erste Schritt ein Kunstwerk zu erschaffen, ist die Idee dafür zu haben, die eine Entwicklung des Künstler ganz alleine sein sollte. Sobald man diese hat, kommt die Arbeit. Für Berlin beispielsweise wollte ich unbedingt diese Luger Pistole machen, als ich dann aber vor dem Material stand habe ich zwei Tage lang keinen Schnitt gemacht, da ich nicht wusste wie ich richtig anfangen soll. Es war ein hartes Stück Arbeit.

Einige deiner zeitgenössischen Kunstkollegen habe viele Assistenten. Jeff Koons angeblich 150, oder Andreas Gursky, den ich sehr bewundere, Techniker, die ihm die digitalen Bilder zusammen schneiden. Ich habe großen Respekt vor den beiden, aber ich sehe gerne die echte Handschrift eines Künstlers. Es ist doch qualitätsvoller. Was wäre, wenn Jeff Koons beispielsweise über ein Jahr lang nur ein einziges Kunstwerk ganz alleine machen würde. Nur von ihm, ohne jemanden anderen. Damit würde er nicht nur sich selbst toppen, sondern auch seinen ohnehin schon hohen Marktwert noch steigern. Für mich persönlich käme ein Assistent nur als Gehilfe in Frage, nicht als Ersatz.

Interview mit David Buckingham

Macht Pop-Art mehr Spaß als andere Kunst? Ich bin mit der Kunst aufgewachsen, nicht nur in den letzten 50 Jahren, sondern in Amerika prägt Pop-Art die Kultur. Von Zeichentrickserien über Comics bis hin zur Cornflakes Verpackung. Amerika ist Pop-Art pur!

Wie kam es zur Kooperation mit Wrangler? Alles fing mit einem Anruf an von Alessandro Vigano (Wrangler Kreativdirektor)an. In Mailand hatte er bei einem befreundeten Paar ein Werk von mir gesehen, das in großen Lettern „Starfucker“ zeigte. Da er Filmemacher ist und sie seit Jahren für Prada arbeitet, passte die Ironie meiner Kunst wie die Faust auf’s Auge. Diesen Humor im Widersprüchlichen mag ich, das Pärchen hatte genau dies verstanden! Allessandro rief mich an dannan, wir trafen uns zum Lunch und da ich das Labels gut finde und gleich mal ein paar Jeans geschenkt bekam, war ich dabei. (lacht) Die Leute waren großartig, die ganze Wrangler-Gang ist fabelhaft. Ich hatte eine tolle Zeit, hatte Einfluß auf das Shooting, für das ich Model Tony Ward zeigte, wie er mit der Motorsäge um zu gehen hat und was meine Arbeitsschritte sind. Ich hatte das Gefühl, dass er in meinem derben Lifestyle und der Rolle des taffen Künstlers völlig aufging (lacht).

Ist denn Mode eine Art von Kunst für dich? Ja, auf jeden Fall. Es ist ein Ausdrucksmittel, nicht nur für die Leute, die sie tragen. Ein Designer fabriziert ja Kunstwerke wie ich, nur eben ganz viele von einem. Für mich persönlich muss Mode aber hauptsächlich komfortabel und funktional sein. Im Studio muss sie Funken, Feuer und Metall-Sägespäne aushalten.

Was trägst du heute? Natürlich Wrangler Jeans, eine Agnes B. Shirt, ein T-Shirt des australischen Labels Bonds, Jack Purcell Sneakers und Wollsocken. Jetzt, wo ich in Berlin bin, sehe ich anständig aus. Wenn ich im Studio bin, lange arbeite, schweiße und mit der Säge hantiere, sehe ich nicht so schick aus. Aber dass muss ich ja auch nicht (lacht).

Welches ist dein eigenes Lieblingskunstwerk? Darauf habe ich immer die gleiche Antwort: Das Nächste! Denn ich liebe an meiner Arbeit, dass ich ständig etwas Neues erschaffen kann.

Dass er seine Kunst liebt, bewies David gleich im Anschluss. Ohne Vorsicht griff er an die wie Butter geschliffenen Kanten, zeigte die Innenseiten mit seinen Initialen und erzählte die Geschichten der einzelnen Metallstücke, die aus alten Autos, Innenseiten von Containern oder Hütten im Desert stammen. Seine von der Werbung stark beeinflusste und lustig Kunstkost überzeugt schon allein, zusammen mit seiner so offenen und vom amerikanischen derben Humor verfeinerten Persönlichkeit, wird mir das Interview umso mehr in wunderbarer Erinnerung bleiben.

"Hung like Elvis" von David Buckingham

"Hung like Elvis" von David Buckingham

"Hung like Elvis" von David Buckingham

"Hung like Elvis" von David Buckingham

"Hung like Elvis" von David Buckingham

"Hung like Elvis" von David Buckingham

"Hung like Elvis" von David Buckingham

"Hung like Elvis" von David Buckingham

"Hung like Elvis" von David Buckingham

"Hung like Elvis" von David Buckingham